“Will niemand diesen Verrückten festnehmen?”

24-06-18 07:03:00,

Der portugiesische König Sebastian I., “O Desejado”. Bild: Cristóvão de Morais, Museu Nacional de Arte Antiga, gemeinfrei

Wie der in einer Traumwelt lebende portugiesische König Sebastian I. (“der Ersehnte”) mit einem Kreuzzug Portugal in den Ruin stürzte

Größenwahnsinnige Eliten stören regelmäßig das friedliche Miteinander auf dem Planeten. Der Ablauf ist dabei immer ähnlich: abgekoppelt von der Wirklichkeit, taub für Warnungen aus berufenem Munde und bestärkt von bezahlten Beifallklatschern zwingen sie den Völkern ihre geisteskranken, oftmals religiös verbrämten Visionen auf. Doch manchmal können solche Unternehmen geradewegs nach hinten losgehen, wie ein etwas länger zurückliegendes Beispiel aus der Geschichte illustriert. Das Jahr 1578 versprach kein gutes für Portugal zu werden. Zu Neujahr stand immer noch der Große Komet am Himmel und der portugiesische König Sebastian I., auch “der Ersehnte” genannt, hatte Großes vor. 1557 im zarten Alter von drei Jahren König geworden, hatte er mit 14 die Regierung übernommen.

Doch irgendetwas war während seiner Ausbildung zum Monarchen schiefgelaufen – zu diesem Zeitpunkt lebte er bereits in einer Traumwelt, in der sich alles um Kreuzzüge und ritterliche Heldentaten drehte. Er selber sah sich als Hauptmann Gottes, der die Mauren aus Nordafrika vertreiben würde, als Vollender der Reconquista. Der Mathematiker und Hofastrologe Pedro Nunes hatte noch gewarnt – das Datum für die Amtseinführung sei nicht optimal gewählt, die Sterne würden für diesen Termin eine nur kurze Regentschaft prophezeien. Vergebens – die Weichen für den Niedergang Portugals waren gestellt.

Die Jahre zuvor waren in weiten Teilen Europas tumultös verlaufen. Auf der Iberischen Halbinsel wütete die Inquisition, und Sebastians Großmutter, Katharina von Kastilien, hatte ihren ganz persönlichen Beitrag geleistet, um das Leben für Ketzer auch in Portugal zur Hölle werden zu lassen. Die Heilige Liga, ein Zusammenschluss mehrerer Mittelmeeranrainer, stand im Kampf gegen das Osmanische Reich, konnte jedoch trotz der überraschend gewonnenen Seeschlacht von Lepanto 1571 mit 38.000 zu beklagenden Toten keine strategisch bedeutsame Entscheidung herbeiführen.

1572 traf am portugiesischen Hof die Nachricht von den Geschehnissen zur Bartholomäusnacht ein. In Frankreich waren tausende Hugenotten umgebracht worden. Sebastian lag krank darnieder und konnte an keinen von der Katholischen Kirche eigens zu Ehren des Anlasses organisierten Freudenfesten teilnehmen. Er sandte zumindest eine Grußbotschaft an den französischen König Karl IX. Doch seine innersten Gedanken kreisten bereits um ein weit großartigeres Thema: die Verwirklichung seines Traums vom marokkanischen Reich.

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