Die brutalistische Lauscharchitektur von NSA und AT&T

27-06-18 07:34:00,

NSA-AT&T-Lauschzentrum in New York. Bild: Lars Plougmann/CC BY-SA-2.0

Intercept hat die Gebäude in acht US-Städten ausgemacht, in denen der Geheimdienst in Kooperation mit AT&T den durch die USA fließenden globalen Internetverkehr abhört

Es ist schon lange bekannt, dass der amerikanische Geheimdienst die Gelegenheit ausgiebig nutzt, die Datenströme, die durch die USA fließen, abzuhören. Da das Internet stark von amerikanischen Konzernen – und zuerst vom Pentagon – entwickelt wurde, ist das amerikanische Territorium zum Transitland für die weltweiten Datenströme geworden und geblieben, die durch die Glasfaserkabel in den Meeren strömen. Fast alle Daten werden auch über die USA geleitet.

Wie eine Spinne im Netz sitzt dort AT&T, der in den USA das größte Netzwerk betreibt, durch das an einem einzigen Tag, am 18. März 2018, beispielsweise 197 Petabyte an Daten flossen. Auch andere Firmen wie Sprint, Cogent Communications und Level 3 oder Talia, Tata Communications, Telecom Italia und Deutsche Telekom nutzen die AT&T-Netzwerke.

Wie Ryan Gallagher und Henrik Moltke Intercept aufgrund von geleakten NSA-Dokumenten von Edward Snowden berichten, spielt der Konzern für die NSA deshalb eine entscheidende Rolle, um den Heimvorteil (“home field advantage”) zum Abhören und Spionieren auszubeuten.

Nach einem Präsidentenerlass von Ronald Reagan aus der Hochzeit des Kalten Kriegs (Executive Order 12333) wurde der NSA die “Transitautorität” zum Abhören aller Kommunikation zugestanden, “die im Ausland entsteht oder dorthin geht, aber US-Territorium durchquert”. Nachdem 2005 bekannt wurde, dass die NSA auch in großem Stil inländische Kommunikation abhört, kam es zu einem Skandal, der allerdings nur dazu führte, dass die NSA weiterhin auch die Kommunikation von Amerikanern ohne richterliche Genehmigung abhören kann, wenn diese mit dem Ausland kommunizieren und dies “zufällig” als eine Art Beifang geschieht. AT&T hat offenbar in seinen Netzwerken Filter zur Trennung von inländischen und ausländischen Internetdaten eingebaut.

Zusammen mit der NSA hat AT&T in acht Gebäuden, die mit dem gemeinsamen Backbone verbunden sind, ab Ende der 1990er Jahren Datenzentren (“peering sites” oder “Service Node Routing Complexes” (SNRC)) im Rahmen des Lauschprogramms FAIRVIEW eingerichtet, um dem Geheimdienst direkten Zugriff zu eröffnen. Nach den Dokumenten könnte das Lauschnetzwerk ab 2009 funktionsfähig gewesen sein. Allerdings hat AT&T insgesamt 19.500 “points of presence” in 143 Ländern, das sind in Gebäuden untergebrachte “access points”

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