Handelskrieg: Point of no return überschritten?

29-06-18 06:38:00,

Die zunehmenden handelspolitischen Auseinandersetzungen scheinen sich der Kontrolle der staatlichen Akteure zunehmend zu entziehen

Ist es schon zu spät, um eine unkontrollierbare Eskalation des globalen Handelskrieges zu vermeiden? Bei dem sich zuspitzenden handelspolitischen Auseinandersetzungen sind die Augen er Öffentlichkeit zumeist auf die Hauptakteure, auf die Volksrepublik China, auf Merkels Eurozone und die USA Donald Trumps gerichtet. Doch es könnten gerade die kaum beachteten Reaktionen der übrigen Volkswirtschaften sein, die darüber entscheiden, ob der globale protektionistische Wettlauf bereits eine irreversible Eigendynamik entwickelt hat.

Kanadas Regierung etwa macht ebenfalls Ernst mit der Politik von “Grenzen dicht!”. Und dies geschieht nicht aus Überzeugung einer ansonsten liberalen Regierung, sondern aus blanker Notwendigkeit. Neben den bereits beschlossenen Vergeltungsmaßnahmen gegenüber den USA, die Kanada in Reaktion auf die US-Zölle auf Stahl und Aluminium am 1. Juli erlässt, sollen nun in Ottawa auch Handelsbeschränkungen für Produkte aus weiteren Volkswirtschaften erwogen werden.

Die zusätzlichen Handelsschranken sollen dazu beitragen, eine “potenzielle Flut” von Stahlprodukten abzuwehren, die sich gerade Aufgrund der US-Zölle über den kanadischen Binnenmarkt ergießen könnte. Der Grund hierfür: Der Druck auf den immer enger werdenden Märkten nimmt zu. Viele chinesische oder deutsche Stahlproduzenten, die sich mit den amerikanischen Handelsschranken konfrontiert sehen, suchen verstärkt neue Absatzmöglichkeiten auf anderen Märkten, was den Importdruck – etwa in Kanada – ansteigen lässt.

Den US-Zöllen, die sich hauptsächlich gegen China und Deutschland richten, müssen sich folglich aus unmittelbarem ökonomischem Interesse auch jene Länder anschließen, deren Regierungen eigentlich eine protektionistische Politik ablehnen. Dieser protektionistische Kurswechsel Kanadas sei kein Ergebnis eines Meinungsumschwungs der regierenden Liberalen, hieß es folglich in kanadischen Medien, sondern der “brutalen Logik von Handelskriegen”. Der kanadische Protektionismus soll Dumping auf dem heimischen Merkt verhindern, der durch den amerikanischen Protektionismus befeuert würde.

Protektionismus könnte sich ausbreiten

Damit scheint sich eine protektionistische Dynamik auf dem Weltmarkt zu entfalten, bei der durch die US-Strafzölle ausgelösten Verschiebungen der Handelsströme zu immer neuen protektionistischen Maßnahmen weiterer Länder führen. Keiner will mehr die Überschussproduktion aufnehmen, die bislang auf dem riesigen US-Binnenmarkt abgesetzt werden konnte. Der Prozess der – letztendlich kreditfinanzierten – kapitalistischen Globalisierung würde somit zusammenbrechen (Ende der Globalisierung).

Zudem scheint die Trump-Administration auch weiterhin gewillt zu sein, ihre handelspolitische Eskalationsstrategie fortzusetzen. Gegenüber der Volksrepublik China hat der Rechtspopulist im Weißen Haus inzwischen angekündigt,

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