Wachsen meint Lernen

Wachsen meint Lernen

04-07-18 09:10:00,

Tag und Nacht, Wärme und Kälte, zeitliche Verfügbarkeit von Nahrung, die uns in wechselnden Zeiträumen in unterschiedlichem Maße zur Verfügung stehende Energie; all das wirkt sich auf unsere Aktivitäten aus. Doch innerhalb dieses großen, universellen Taktes menschlichen Lebens können wir höchst mannigfaltige Varianzen ausmachen. Dazu bedarf es Achtsamkeit (Herz) und Reflexion und wenn uns das gelingt, können wir viel besser verstehen — uns und andere.

Kennen Sie diese Sprüche (noch)?

“Hast Du es immer noch nicht begriffen!?”

“Wie oft soll ich Dir das noch sagen?!”

“Warum hörst Du nicht richtig zu!?!”

“Bist Du so schwer von Begriff?!”

Oder auch:

“Bleib endlich RUHIG sitzen!”

Die einfachste Variante der Erinnerung kann unter Umständen eine Selbstbestätigung enthalten; nämlich beispielsweise die, wie schwer von Begriff doch die Kinder waren – oder bestimmte Kollegen es heute sind. Es ist der natürliche Rückgriff auf das eigene Koordinatensystem – und zwar auf das der Zeit. Unser eigenes Maß von Schwingungen der Zeit ist der Maßstab und wir legen ihn bei anderen an und bewerten diese an Hand dieses, unseres ganz eigenen Maßstabs. Das ist typischer, dem Menschen innewohnender Egotismus.

Bei Anwendung unseres Koordinatensystems der Zeit machen wir uns in der Regel keine Gedanken, woher wir das eigentlich bezogen haben; ob dessen Takt tatsächlich aus unserem Selbst kommt oder fremdbestimmt und damit faktisch erlernt wurde.

Wie wir Abfolgen in der Zeit unterschiedlich wahrnehmen – und das ist natürlich nicht auf menschliches Handeln beschränkt – werde ich im Folgenden an diversen Beispielen veranschaulichen. Diese habe ich dem Buch “Die Entdeckung der Langsamkeit” von Sten Nadolny entnommen. Die Biografie des (authentischen) Heldens John Franklin ist spannend, soll hier jedoch nicht thematisiert werden. Aber sein Wesen hat Nadolny auf ganz wunderbare Weise lebendig gemacht.

Das erste Zitat zeigt die Gedanken Johns im Vorfeld einer Reise vom Dorf in die Stadt Horncastle, gelegen in Mittelengland an der Schwelle zum 19. Jahrhundert:

“Das war das Erstaunliche: In dichter Nähe funkelte und hüpfte es, Zaunpfähle, Blumen, Zweige. Weiter hinten gab es Kühe, Strohdächer und Waldhügel, da hatte das Erscheinen und Verschwinden schon einen feierlichen und beruhigenden Rhythmus. Die fernsten Berge aber waren wie er selbst,

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: