Die Krise des Nationalstaates

Die Krise des Nationalstaates

05-07-18 09:04:00,

Welche Botschaft enthält diese Idee für heute, nachdem bisherige Ansätze zur Überwindung der zerstörerischen Herrschaft des Kapitals nicht die Ergebnisse gebracht haben, für die immer wieder gekämpft wurde?

Betrachten wir zunächst die Bedingungen, unter denen die Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus seinerzeit entstand. Sie wurde aus der großen Unordnung geboren, die der Erste Weltkrieg hinterließ. Das osmanische Reich zerfiel, das russische Reich ging in die Revolution, das Habsburger Reich krankte an seinen nationalen Widersprüchen. Das Deutsche Reich war zerschlagen, die Kolonialherrschaft der übrigen europäischen Staaten gebrochen. Kaum ein Stein der alten Ordnung war auf dem anderen geblieben. Eine neue Ordnung musste her. Sie wurde aus den USA importiert.

Unter amerikanischer Führung traten die Siegermächte zusammen, um die alte koloniale Ordnung in eine neue nationalstaatliche Ordnung zu überführen. Die Propagierung des Selbstbestimmungsrechts der Völker war das Resultat dieser Verhandlungen. Die ehemaligen Kolonien wurden in Nationalstaaten überführt. Sie wurden deswegen nicht freier als sie vorher waren, sie bekamen nur eine neue Form, die Form des Nationalstaats. In diesem waren sämtliche Lebensbereiche von der Wirtschaft über die Wissenschaft, die geistige Arbeit bis hin in die Politik unter einem Pol, nämlich dem staatlichen Machtmonopol zusammengefasst.

Vom Anspruch her hieß das: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, die Impulse der französischen Revolution, als nationale Einheit verwirklichen zu wollen. Tatsächlich wurde der daraus hervorgehende Einheitsstaat Sachverwalter der Ökonomie, die er gegen die abhängige Bevölkerung durchzusetzen hatte. Der einheitliche Nationalstaat wurde das Credo, die Grundorganisation der neuen Völkerordnung, wie sie bis heute besteht. Erster Ausdruck dieser neuen Ordnung war die Gründung des Völkerbundes 1920.

Das war die Situation, aus der die Idee der Dreigliederung heranwuchs, die bei Rudolf Steiner Gestalt annahm. Er versuchte die Idee schon zu Kriegszeiten an die führenden Kräfte Deutschlands heranzubringen. Da gab es offene Ohren, aber kein wirkliches Verständnis. Auch nach dem Krieg nicht. Warum? Weil die von Steiner vorgebrachten Anregungen nicht bei der Neuordnung der äußeren Machtverhältnisse, auch nicht bei Versuchen nach revolutionärer Abschaffung des Eigentums durch die Eroberung der Staatsmacht stehen blieben, sondern tiefer in die geistigen Widersprüche und in die Krankheit des sozialen Körpers vordrangen.

Unter dem Titel „Die Kernpunkte der sozialen Frage“, von Rudolf Steiner verfasst, erreichte die Idee der Dreigliederung im April 1919 die Öffentlichkeit (1).

Steiner erklärte, dass dem „Einheitsfanatismus“ des Staatsmonopols, salopp formuliert,

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