Die andere Revolution

14-07-18 09:12:00,

Jesus sagte im Evangelium nach Thomas (1):

„Wenn ihr euch selbst erkennt, dann wird man euch erkennen (…) Wenn ihr aber nicht zum Verständnis eurerselbst gelangt, dann werdet ihr in Armut sein, und ihr werdet die Armut selbst sein.“

Zweitausend Jahre ist es nun her, dass Jesus die Menschen zu einer, mit der Erkenntnis ihrer eigenen Natur verbundenen, grundlegenden Änderung ihrer gesamten bisherigen Lebensweise sowie zu einer tiefgreifenden Umgestaltung ihrer gesellschaftlichen Verhältnisse und Beziehungen aufrief. Ganz bewusst legte er sich dabei mit den damals herrschenden geistlichen und politischen Autoritäten an und verkündete seine große, alle Zeiten überdauernde Vision von einer völlig neuen und anderen Welt. Einer Welt des Friedens und der Gewaltlosigkeit, der Gerechtigkeit und der Liebe unter den Menschen.

Doch schon die meisten seiner Zeitgenossen empfanden die damit verbundene Forderung, ihr gewohntes, an eigensüchtigen Interessen und schnellen materiellen Erfolgen ausgerichtetes Leben aufzugeben oder zu korrigieren, als eine ungeheure Zumutung und verweigerten ihm die Unterstützung. Jesus wurde verraten, verhaftet und zum Tode verurteilt. Schließlich starb er einen grauenvollen Tod am Kreuz, nachdem er von den meisten seiner Anhänger verlassen und von den an der Hinrichtung anwesenden Volksmassen öffentlich verhöhnt und verspottet worden war.

Alles andere, was danach noch mit Jesus passiert sein soll, widerspricht den Zusammenhängen und Gesetzen der Natur sowie aller bisherigen menschlichen Erfahrung und entzieht sich damit von vornherein jeglicher Überprüfbarkeit.

Die von Jesus prophezeite Errichtung einer völlig anderen, einer neuen und besseren Welt hat nicht stattgefunden – und so ist es bis heute geblieben.

Die nicht zu übersehende Gegensätzlichkeit zwischen den Grundsätzen von Jesus und der ganz anders gearteten Praxis der sich nach seinem Tod etablierenden christlichen Kirche, dieser grundlegende Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit, prägte dann auch die gesamte kulturelle Entwicklung des christlichen Abendlandes.

Immer wieder wurde sich auf Jesus berufen. Immer wieder gab man vor, in seinem Namen zu handeln. Doch nicht die für Jesus höchsten Werte wie Frieden, Gewaltlosigkeit, Menschenliebe und Solidarität, sondern das eigensüchtige Streben nach persönlichen Reichtum und die Fähigkeit über andere Menschen zu herrschen und sich diese für die eigenen Interessen nutzbar zu machen, wurden für die Kultur des christlichen Abendlandes zu wichtigen, häufig praktizierten Werten.

Auch der Narzissmus der abendländischen Kultur mit seinem verhängnisvollen Zwang sich selbst und die eigene Lebensweise ständig erhöhen und aufwerten zu müssen,

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