Brot ist älter als der Ackerbau

Brot ist älter als der Ackerbau

17-07-18 12:22:00,

Ausgegrabene Feuerstelle in Shubayqa. Bild: Alexis Pantos.

Ein 14.400 Jahre alter Rest stützt eine These, die Archäologen bereits nach dem Fund von Sicheln entwickelt hatten

Der Archäologe Gordon Childe vertrat anhand von Funden in Anatolien die These, dass die Staatenbildung bereits vor dem Ackerbau begann und Untertanen ihre Tribute damals nicht in Form von gezüchteten, sondern von wild wachsenden Lebensmitteln abgeben mussten, die die Herrscher in große Lagern sammelten. Diese Theorie ist weiterhin umstritten – aber nun steht fest, dass das Brot erfunden wurde, bevor es den Ackerbau gab.

In der jordanischen Ausgrabungsstätte Shubayqa fand ein Forscherteam aus Kopenhagen, London und Cambridge nämlich nicht nur Feuerstellen, sondern auch Überreste von Brot, das dort bereits vor 14.400 Jahren gebacken worden sein muss – etwa 4.000 Jahre vor der Zeit, in der der Ackerbau begann. Diese Erkenntnis teilen sie der Welt in ihrem Aufsatz Archaeobotanical evidence reveals the origins of bread 14,400 years ago in northeastern Jordan mit, der in der aktuellen Ausgabe der Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) erschien.

Mörser und Sicheln

Dass das Brotbacken vor dem Ackerbau entstanden sein könnte, vermuteten die Archäologen bereits vorher. Die Jäger und Sammler, die in Shubayqa lebten, hinterließen nämlich auch steinerne Mörser und Sicheln mit Steinklingen, die man bereits vor den Brotresten fand. Allerdings könnten sie die Sicheln und Mörser auch dazu verwendet haben, um Getreidebrei herzustellen, wie das wahrscheinlich die Bewohner der apulischen Grotta Paglicci machten, an deren etwa 32.000 Jahre alten Steinwerkzeugen man 2015 Haferkornspuren entdeckte.

Elektronenmikroskopische Untersuchungen der Reste aus Shubayqa zeigten, dass das Brot zwar noch ohne Sauerteig, aber aus verlesenem, gemahlenem und gesiebtem Korn hergestellt wurde. Das schlossen die Forscher aus der Größe der Bestandteile und daran, dass sie keine Spreu fanden. Außer Mehl aus Einkorn-, Gersten-, Hafer und Strandbinsenkörnern enthielten die flachen Fladen auch andere pflanzliche Zutaten – darunter Wurzeln, die ebenfalls gemahlen wurden.

Wachstumshäufungshypothese

Der über diese Untersuchungen festgestellte Aufwand brachte den an der Untersuchung beteiligten Londoner Archäologe Dorian Fuller zu folgender Schlussfolgerung:

Brot bedeutet viel Arbeit mit dem Entfernen der Schale, Mahlen der Körner, Kneten und Backen. Dass es hergestellt wurde, bevor es Ackerbau gab, legt nahe, dass es als etwas Besonderes gesehen wurde.

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