Rote Karte für unsere Medien in ihrem Match gegen Russland? Teil 3: Welches Russlandbild bleibt jetzt nach der WM? – www.NachDenkSeiten.de

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18. Juli 2018 um 14:00 Uhr | Verantwortlich:

Rote Karte für unsere Medien in ihrem Match gegen Russland? Teil 3: Welches Russlandbild bleibt jetzt nach der WM?

Veröffentlicht in: Erosion der Demokratie, Gleichstellung, Kampagnen / Tarnworte / Neusprech, Länderberichte, Medienkritik, Ungleichheit, Armut, Reichtum

Der NachDenkSeiten-Leser Michael Steinke[*] hat die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland besucht und sich vier Wochen lang vor Ort einen eigenen Eindruck gemacht. Für die NachDenkSeiten schildert er seine Erfahrungen und Gedanken nun in einer dreiteiligen Serie und stellt sie der negativen Medienkampagne gegenüber, die seit Wochen auf Hochtouren läuft. Lesen Sie heute das ausführliche Finale des Dreiteilers. Der erste Teil der Serie erschien am letzten Dienstag, der zweite Teil am letzten Donnerstag.


Abb.: Creative Commons CC0

Die Vorurteile und Klischees, unser Bild über Russland haben sich im Laufe der Jahre verändert: In Russland trinkt man Wodka und beweint die russische Seele. Man fährt einen Lada durch unendliche Weiten. Die Bären laufen durch die Städte. Alle russischen Frauen sind schön. Im russischen Winter taucht man nach der Banja in ein Eisloch ein. (bis 1995)

Russen feiern gerne, sind immer und überall laut, protzen gerne, sind sehr abergläubisch; Alle russischen Frauen wollen einen Ausländer heiraten. Ein Land, in dem Korruption, Ungleichheit und Oligarchen herrschen. (bis 2005)

Russen sind alles Hacker, immer die Bösen, rücksichtslos, Russland, das sich nach alter Größe sehnt, nationalistisch, mit Hang zum Militarismus. (ab 2005)

Deutsche Medien-Oligarchie über Russland

Das Russlandbild in der deutschen Berichterstattung war im letzten Jahrtausend nach dem Ende des Kalten Krieges noch weitgehend folkloristisch geprägt, wurde dann um Armut und Oligarchen ergänzt, und nach 2000 um Stereotypen russischer Reisender. SZ: Im Sommer 2005 schreckte das Magazin Stern die Deutschen auf: Russische Touristen erobern die schönsten Strände in der Türkei und Ägypten. Im Vorspann des Artikels heißt es: “Rentenloch und Hartz IV waren schon schlimm genug. Jetzt nehmen uns die Russen auch noch die Liegestühle weg.” Kurz und knapp ließe sich der Text mit “Die Rüpel kommen” zusammenfassen. Der Artikel beschäftigte sogar den Presserat,

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