Freier Fall der türkischen Lira gefährdet den Euro

11-08-18 09:20:00,

Levent Business District, ein Finanzzentrum in Istanbul. Foto: Mimar77 / CC BY-SA 3.0

  1. Freier Fall der türkischen Lira gefährdet den Euro

  2. Hilfloses Agieren in der Türkei

  3. Was passiert, wenn die Türkei die Kredite aus Europa nicht mehr bedienen kann?


  4. Auf einer Seite lesen

Der türkische Präsident Erdogan steckt in ernsten Schwierigkeiten. Das trifft auch seine Partner in der EU

Nun scheint einzutreten, wovor seit Monaten gewarnt wurde und was die Politikerinnen und Politiker der Euro-Länder beharrlich ignorierten: Der Fall der türkischen Lira gefährdet den Euro. Den letzten Ausschlag gab die Ankündigung Trumps, die Zölle für die Türkei zu verdoppeln. Demnach sollen die Zölle auf Aluminium auf 20 Prozent und die für Stahl auf 50 Prozent angehoben werden. Die türkische Regierung reagiert eher hilflos und hofft auf Allah.

Seit spätestens 2007 befindet sich die Türkei wirtschaftlich auf einem expansiven, neoliberalen Kurs. Erdogan setzte dazu seinen autoritären Populismus ein und inszenierte sich als Übervater, der nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch die richtige Richtung vorgab. Zunächst schien dies zu funktionieren, denn seit der Krise 2008 schien die Türkei den lukrative Anlagemöglichkeiten suchenden internationalen Investoren als ein geeigneter Hafen.

Spätestens seit den Gezi-Protesten in Istanbul 2013 aber hätte allen klar sein können, dass mit diesem Erdogan, der sich selbst bei der Planung eines kommunalen Parks einmischt, der alle Bürgerproteste niederknüppeln lässt, der sich in einem Naturschutzgebiet einen Palast mit 1000 Zimmern bauen lässt, der fragwürdige Großprojekte im Dutzend bauen lässt und der sich seit 2015 wieder einen teuren Krieg gegen die Kurden leistet, weder ein rationaler Staat noch eine rationale Ökonomie gestalten lässt.

Seitdem hat er eine Klientelstruktur in Wirtschaft und Politik aufgebaut, die zuerst parallel zu den Ministerien agierte und heute an den Schalthebeln der Macht in den Ministerien sitzt. Eine Schlüsselfigur ist Erdogans Schwiegersohn, Finanzminister Berat Albayrak. Als dieser vergangene Woche sein “neues Wirtschaftsmodell” vorstellte, stürzte die Lira rapide ab.

Albayrak versprach, das Wachstum von rund sieben Prozent auf rund drei bis vier zu dämpfen und die Inflationsrate von mehr als 15 Prozent in den einstelligen Bereich zu drücken.

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