Nichts für Softies!

11-08-18 01:43:00,

Hip soll das Militär wieder werden. Die Bundeswehr hat daher schon die gängigen Social-Media-Plattformen erobert. Camouflage auf Facebook, die Twitter-Drohne wirft Hashtagbomben und die Kids bekommen Snap-(G36)-Shoots an der Instagram-Front. Doch auch auf der Straße sind wir vor der optischen Präsenz der Militarisierung nicht mehr gefeit. Auch wenn wir uns digital auskoppeln, werden wir von den Ergüssen des Bundeswehr-Marketings belästigt.

„Beißer oder Lutscher?“ und „Nichts für Softeis.“ steht da auf den großen Plakaten, darunter sehen wir die Konturen eines Waffeleises mit Camouflage-Farben in dezentem, minimalistischem Layout. Betrachten wir diese Motive einmal nacheinander.

Diese Frage stammt aus jenem Pool unnötiger Entscheidungsplacebos, dessen Beantwortung sich sonst inhaltsleere Privatsender-Formate wie Galileo oder Punkt 12 Aktuell widmen. Der Bundeswehr geht es natürlich nicht darum, wie Eiskugeln konsumiert werden – sehr wohl aber um den Umgang mit Bleikugeln. Und um die Entscheidung, zu welcher Gruppe man gehören will: den hemmungslosen, skrupellosen Beißern, die ihren Gegnern unnachgiebig Blei in die Schädeldecke ballern oder doch nur zu den „Lutschern“ – ein im Pausenhof-Jargon leider negativ konnotiertes Wort –, die vielleicht Beißhemmungen besitzen, eine innere moralische Stimme, die ihnen zuflüstert, dass es nicht richtig seien kann, einen Menschen zu töten.

Zwar mag dieser Kritikpunkt mit der Tür ins Haus fallen. Wird ein Soldat rekrutiert, ist es noch ein weiter Weg, bis er das erste Mal das zerstört, was zur Entstehung neun Monate benötigt. Doch darauf läuft es letztendlich hinaus: die moralische Stimme zu knebeln, das Gewissen mit schweren Stiefeln in den Asphalt zu stampfen, die eigene Persönlichkeit zu negieren – bis man zu einem gewissenlosen Befehlsempfänger wird, einer Tötungsmaschine, die keine Skrupel kennt, wenn es darum geht, für das Vaterland, die Demokratie, die freien Märkte oder irgendeine andere Sache Leben zu vernichten. Die Liste der Gründe, für die das Töten legitimiert wird, ist schier unendlich; der einzelne Soldat bleibt dabei bedeutungs- und gesichtslos.

Das „Beißer oder Lutscher?“-Plakat dürfte allerdings bei mindestens einer potentiellen Zielgruppe eher ein Eigentor der Bundeswehr sein. Homosexuellen nämlich dürfte die gerade unter Jugendlichen eher als Beleidung gebrauchte Bezeichnung als „Lutscher“ sauer aufstoßen. Ein Glück! Die größte Parade in Deutschland sollte der Christopher Street Day bleiben, auf dem es vor allem um Toleranz und friedliches Miteinander geht. Und es ist völlig klar, dass die PR-Abteilung der Bundeswehr sich dieser Doppeldeutigkeit bewusst war. Mit friedliebenden Schwulen will unsere Armee,

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