Totgesagte leben länger

11-08-18 01:28:00,

Der Hauptinitiator des Festivals, Malte Klingauf, hat etwas sehr Kluges gemacht: Er hat sich nicht ins Boxhorn jagen lassen und einfach das nächste Festival vorbereitet. Er wusste, dass die Idee eines Festivals wertvoll ist, auf dem es die Möglichkeit gibt, gemeinsam Musik zu erleben, Vorträge zu hören, in Workshops Wissen zu vertiefen und sich mit friedensengagierten Menschen zu vernetzen.

Es war jedoch nicht nur reiner Zufall, dass es in der Krise Menschen gab, die sich ganz und gar der Idee des Festivals verschrieben und es unterstützt haben. Als Achtsamkeits-Coach fällt mir eine Sache besonders auf: Klingauf und das Organisationsteam haben sich nicht mit den Gefühlen der Angst identifiziert, dass das Festival womöglich an einer Hürde scheitern würde. Stattdessen gab es ein Durchatmen und er stellte sich ernsthaft die Fragen: „Was ist genau passiert? Was fühle ich? Was denke ich? Was ist falsch gelaufen? Was kann man besser machen? Was ist jetzt nötig? Wie gehen wir mit der Situation am besten um?“

Der jetzige Festival-Arzt, der im vergangenen Jahr das Ordnungsamt von der Schließung des Festivals abgehalten hatte, konnte überhaupt erst dadurch begreifen, dass gerade er jetzt gebraucht wird. Hätte Klingauf die Nerven verloren und panisch reagiert, wäre das nicht möglich gewesen, denn: Im Chaos ist nicht sichtbar, wie man aus selbigem wieder herauskommt. Es braucht außer hilfsbereiten Menschen auch jemanden, der im Chaos einen Schritt zurück macht und sich oben genannte Fragen stellt. Dadurch gewinnt man wieder Übersicht.

Hätte das Organisationsteam des Pax Terra Musica Festivals sich 2017 als Opfer der Behörden gesehen oder hätte wegen eines möglichen Fehlers resigniert, wäre an dieser Stelle schon Schluss mit dem Festival gewesen.

Neben der Fähigkeit, Angst und Schock zu überwinden, gewann Klingauf auch Mut. Er hat nach der Veranstaltung im vergangenen Jahr offengelegt, dass sich das Festival im ersten Jahr finanziell nicht getragen hat und es vielleicht kein zweites geben kann. Ganz pragmatisch, und das heißt keineswegs emotionslos, wandte er sich um Spenden an die Gemeinschaft. Wenn man einen Umgang mit Angst gefunden hat, dann schließt sich fast automatisch der Mut an, auch unliebsamen Wahrheiten zu begegnen. Das war für das Weiterleben des Festivals enorm wichtig.

Und an den Mut, unliebsamen Wahrheiten zu begegnen, schließt sich auch Eigenverantwortung an. Klingauf und das Festivalteam hatten keine Angst vor einem – vielleicht sogar berechtigten – Vorwurf der Misswirtschaft.

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