Israel: Prominenter Protest

12-08-18 10:36:00,

Christian Müller

Christian Müller / 12. Aug 2018 –

40 ehemalige israelische Diplomaten kritisieren das neue israelische Nationalstaatsgesetz scharf.

Das Nationalstaatsgesetz, das vor zwei Wochen in der Knesset in Israel gutgeheissen worden ist – Infosperber hat darüber berichtet – hat nicht nur international, sondern auch in Israel zu massiven Protesten geführt. Jetzt haben sich auch 40 ehemalige Diplomaten Israels zu Wort gemeldet. In «tachles», der in Zürich erscheinenden «Jüdischen Wochenzeitung», schreibt – hier auszugsweise wiedergegeben – Jacques Ungar am 10. August unter dem Titel «Depesche mit Brisanz»:

«Noch während am Samstagabend auf dem Tel Aviver Rabin-Platz fast 90 000 Menschen gegen das umstrittene Nationalstaatsgesetz demonstrierten, sprachen sich 40 ehemalige israelische Botschafter und hochrangige Diplomaten unumwunden und kompromisslos gegen das Gesetz aus. Einige Auszüge aus der publizierten Verlautbarung zeigen die Brisanz der Initiative der ehemaligen Diplomaten:

‹Während unserer Dienstjahre für den Staat Israel konnten wir den Nationen der Welt stets in die Augen blicken und ihnen mit ehrlichem Herzen erklären, dass Israel als die einzige Demokratie im Nahen Osten effektiv ein stolzer jüdischer Staat ist, aber einer, der gemäss dem Geist der Propheten Israels geführt wird und die Gleichberechtigung zwischen seinen verschiedenen Komponenten aufrechterhält. Dazu gehört auch das Beibehalten der arabischen Sprache als eine offizielle Sprache neben dem Hebräischen.›

Bei den Verfassern des Textes handelt es sich nicht etwa um subalterne Aktivisten, die sich im Augenblick profilieren wollen. Vielmehr finden sich unter den Mitautoren Persönlichkeiten, die während vieler Jahre an zentraler Stelle die Geschicke des Staates geleitet haben. So gehören zu den Diplomaten vier ehemalige Generaldirektoren des Aussenministeriums – Nissim Ben Shitrit, Alon Liel, Rafik Barak und der nicht zuletzt auch im Geheimdienstbereich effizient und erfolgreich aktiv gewesene Reuven Merhav sowie zwei stellvertretende Direktoren im Aussenministerium, Pinchas Avivi und Ran Curiel.

Die Diplomaten schreiben weiter: ‹Wir waren stolz auf das uns verliehene Recht, den Staat Israel zu repräsentieren, öffentlich zu verteidigen, seine Interessen zu fördern, seine Sicherheit und die Politik unserer Regierung, sowie im Dienste der Förderung von Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur in Israel tätig zu sein. Heute bringen wir unseren Protest gegen die Gesetzgebung zum Ausdruck, die die Minderheiten unter uns ausschliesst – Araber, Muslime, Drusen, Christen, Tscherkessen und andere.›

Weiter heisst es: ‹Wir sind stolz darauf,

 » Lees verder