Der innere General

25-08-18 10:43:00,

Los jetzt, mach schon. Trödel nicht so. Beeil dich. Die Blumen kannst du dir später angucken. Wer hat das nicht zu hören bekommen, als er Kind war? Kaum werden wir in diese Welt hineingeboren, müssen und sollen wir und dürfen nicht. In aller Regel halten uns unsere Eltern, Erzieher und Lehrer von Anfang an dazu an, so zu funktionieren, wie es ihnen im Moment am besten passt.

Dabei wird uns nicht vermittelt, was für wunderbare, einzigartige und perfekte Wesen wir sind. Aus uns soll einmal etwas werden – so als wenn wir es nicht schon sind. Wir werden zurechtgezupft und gebogen – so als müsste man an einer Blume erst herumziehen, damit sie sich ordentlich entfaltet.

Heul nicht, übertreib nicht, das bildest du dir doch nur ein. Halt den Mund. Nur wenige haben zu hören bekommen, dass sie goldrichtig sind, so, wie sie sind. Kaum jemand hat als Kind gelernt, seine Gefühle zu erkennen und frei auszuleben und seine ganz besonderen Talente ungehindert zu entfalten.

Die meisten von uns haben gelernt zu funktionieren. Sie mussten etwas dafür tun, um das Gefühl zu haben, geliebt zu werden.

Von Anfang an war nichts im Leben umsonst. Wir mussten spuren, gute Noten nach Hause bringen, Mama trösten und durften Papa nicht stören. Sei stark, sei lieb, sei still, sei gut. Auch viele von denen, die keine Grenzen mit auf den Weg bekommen haben, sollten doch vor allem eines: die Bedürfnisse und Wünsche ihrer Eltern erfüllen.

Seit vielen Generationen sind wir als Gesellschaft nicht darauf vorbereitet, uns selbst so anzunehmen, wie wir sind. Wir haben nicht gelernt, unsere eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu erkennen und zu achten. Die meisten von uns mögen sich selbst nicht leiden.

Vielen fällt es schwer, sich mit ihren Schwächen zu akzeptieren. Damit man das nicht sieht, manipulieren, unterdrücken und verurteilen wir andere für das, was wir uns im Grunde selbst vorwerfen. So konnte die Welt zu dem werden, was sie ist: ein Ort der Zerstörung und der unterbrochenen Verbindungen.

Wir sind uns selbst entweder nicht genug oder zu viel und ziehen streng mit uns ins Gericht. So gehen wir ins Leben hinaus und bekommen Kinder, denen wir nur das weitergeben können, was wir selbst gelernt haben. Selbstliebe und Selbstverantwortung gehören meistens nicht dazu.

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