Senator John McCains Aufruf in Kiev bleibt unvergessen

26-08-18 07:58:00,

John McCaine auf der Rednertribüne auf dem Maidan im Dezember 2013
© Guardian

John McCaine auf der Rednertribüne auf dem Maidan im Dezember 2013

Christian Müller / 26. Aug 2018 –

McCain, ein grosser Politiker der USA, ist tot. Es fehlt nicht an Lobeshymnen. Ein Engel allerdings war McCain nicht. Im Gegenteil.

John McCain, seit 1987 für Arizona im US-Senat, ist eine weltweit bekannte und anerkannte Persönlichkeit. Nicht zuletzt, weil er, obwohl Republikaner, nicht blindlings der Politik von Donald Trump Folge leisten wollte, erntete er in letzter Zeit viel Lob, vor allem von Seite der Demokraten und oft auch aus dem Ausland. In vielen Punkten zu Recht.

De mortuis nihil nisi bene: über Tote nichts ausser Gutes. So verlangt es die Anstandsregel der Nekrologen-Schreiber. John McCain jetzt allerdings nur zu lobpreisen, wäre die reine Heuchelei, denn der ehemalige US-Kampfbomber-Pilot im Vietnamkrieg blieb sein Leben lang ein Befürworter der militärischen Aufrüstung. Er begrüsste die Bombardierung Belgrads im Jahr 1999 oder auch den Angriff auf den Irak 2003. Und er war einer jener US-Politiker, die sich sogar persönlich engagierten, auch im Ausland, wann immer es eine Gelegenheit gab, gegen Russland zu hetzen.

Am 15. Dezember 2013 betrat der US-Politiker John McCain – man stelle sich vor: einer der einflussreichsten Politiker der Welt – auf dem Maidan in Kiev die Rednertribüne der Demonstranten und hielt – in einem fremden Land! – vor Zehntausenden von Menschen eine kurze, aber mehr als nur eindrückliche Brandrede. Darin wörtlich:

«Ukrainer! Jetzt ist Eure Stunde gekommen! Es betrifft Euch, niemanden sonst! Es geht um Eure Zukunft, um die Zukunft, die Ihr verdient! Die Zukunft in Europa! Die Zukunft in Frieden! Die Zukunft Eurer Nachbarn! Die freie Welt ist mit Euch! Amerika ist mit Euch! Ich bin mit Euch! Die Ukraine wird Europa besser machen, und Europa wird die Ukraine besser machen!»

  • Hier zum Zwei-Minuten-Video dieser Rede.

    Rhetorische Frage: Was würden die US-Amerikaner sagen, wenn anlässlich von Massen-Demonstrationen vor dem Weissen Haus in Washington ein Spitzenpolitiker aus Russland oder auch aus China auf die Redner-Tribüne stiege und die versammelten Massen auffordern würde, sich künftig an Russland oder an China zu orientieren?

    Zwei Monate später der Putsch

    Trotz eines Vermittlungsversuchs des damaligen deutschen Aussenministers und heutigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und der Aussenminister von Frankreich und Polen kam es am 22.

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