Konzerne erpressen Venezuela

27-08-18 09:58:00,

PDVSA-Tanker in dem beschlagnahmten Karibik-Terminal BOPEC von Venezuela. Screenshot von Youtube-Video von Roel Veldhuyzen

US-Ölriese ConocoPhillips “kaperte” Venezuelas Export-Infrastruktur auf den niederländischen Antillen zwecks Entschädigungszahlung. Kanadischer Goldkonzern greift derweil nach Venezuelas Raffinerien in den USA

Wie der drittgrößte US-amerikanische Ölkonzern ConocoPhillips (COP) am Montag erklärte, hat die venezolanische Regierung in die Zahlung einer milliardenschweren Entschädigungssumme eingewilligt. Dem geht ein jahrelanger Rechtsstreit voraus. Der Betrag von 2,04 Milliarden Dollar soll nun in einem Zeitraum von vier Jahren beglichen werden, wobei 500 Millionen Dollar sofort zahlbar sind.

COP hatte bereits im Mai mit der Pfändung von ausländischen Vermögenswerten der krisengeschüttelten staatlichen Erdölgesellschaft Venezuelas (PDVSA) begonnen, um die Entschädigung zu erpressen. Nach der Konfiszierung des PDVSA-Verladeterminals auf der Karibikinsel Bonaire und einer ähnlichen Anlage auf St. Eustatius hatte am 11. Mai auch ein Gericht auf Curaçao grünes Licht für die Übernahme der Kontrolle über die große PDVSA-Raffinerie “La Isla” durch den US-Konzern gegeben.

Piraten der Karibik

Über die Anlagen auf Bonaire, St. Eustatius und Curaçao wird etwa ein Drittel der venezolanischen Erdölexporte abgewickelt – ein Umsatz von täglich mehr als 20 Millionen Dollar. Geld, das das in einer schweren Schulden- und Devisenkrise befindliche Land dringend benötigt, da Millionen Menschen unter Lebensmittel- und Medikamentenknappheit leiden. Die Reallöhne sind in den letzten drei Jahren um mehr als 75% gesunken.

Der Kontrollverlust über die Exportinfrastruktur auf den niederländischen Antillen machte die Benutzung der größten Tankerklasse für das südamerikanische Land zuletzt unmöglich und es bildeten sich Schlangen vor den Raffinerien und Verladeterminals der venezolanischen Karibikküste.

Der ohnehin durch eine zerrüttete Produktion niedrige Export war durch die überfallartigen Pfändungen von Seiten COPs offenbar zuletzt weiter zurückgegangen, was die Wirkung der US-Wirtschaftssanktionen auf die Devisenkrise noch verstärkte. Venezolanische Handelspartner wie China mussten in der Folge ausfallende Seelieferungen des “Schwarzen Goldes” verkraften, dem Staat fehlten Einnahmen für Importe und Schuldendienst.

Die Konfiszierungen im Mai und die jetzige Einwilligung der Regierung in den Zahlungsplan folgten auf ein Urteil eines in New York angesiedelten Schiedsgerichts der Internationalen Handelskammer vom 25. April, das den venezolanischen Staat zu der Entschädigungszahlung verpflichtet hatte. Statt aber nach dem Urteil einen Zahlungsplan zu vereinbaren, so Regierungsvertreter, sei COP direkt zu einem harten Inkassoverfahren übergegangen.

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