Die Schwätzer

28-08-18 09:09:00,

Es geht heiß her! Nicht nur meteorologisch, sondern auch im Cyberspace, konkret auf Facebook. Meine digitale Filterblase dehnt sich aus vor lauter Diskussionen rund um die Fragen: Ist es ein menschengemachter Klimawandel? Ist der Klimawandel eine Erfindung? Soll der Klimawandel von der eigentlichen Umweltverschmutzung ablenken und sämtliche Aufmerksamkeit auf das Klima kanalisieren? Bei all den ideologischen Diskussionen und dem Fakten-Hagel fehlen Empfehlungen, welche Maßnahmen wir konkret treffen können.

Dass irgendetwas mit dem Klima so gar nicht stimmt, sollte in den vergangenen Wochen ja nun wirklich auch dem Letzten anhand seiner Schweißperlen klar geworden sein! Sei es, weil man seinen Hintern mal bewegt, von Facebook wegkommt – wenn auch nur, weil der Rechner bei der Hitze abgeraucht ist – und man seine Fühler mal nach draußen strecken möchte. Oder wenn man in den Medien verfolgt, wie sich die aktuelle Hitze auf der Nordhalbkugel auswirkt. Sibirien wird zu Russlands Sunshine-State und selbst am Nordpol übersteigt das Thermometer die sonst dort üblichen Durchschnittstemperaturen.

Gähnende Leere. Keine grünen Punkte neben den Facebook-Profilbildern, alle sind offline und suchen draußen im realen Leben nach Lösungen und Möglichkeiten, ihren Alltag klimafreundlicher zu gestalten, gießen von der Dürre bedrohte Bäume oder verwandeln ihren englischen Garten in ein ertragreiches Stückchen Grün.

Oh! Ich habe wohl vor mich hin fantasiert. Verzeihung! Die Hitze eben!

Facebook brodelt! In Statusmeldungen lamentiert der User über die Hitze, im nächsten Moment macht er ein Foto von dem auf dem Grill brutzelnden Fleisch. Gibt es da einen Zusammenhang? Wer weiß!

Andere User bereichern uns mit Memes über den Klimawandel, die in der Zahl, wie oft man diese schon gesehen hat, in etwa den aktuellen europäischen Durchschnittstemperaturen entsprechen. Und wem die oben erwähnten Diskussionen zu blöd sind, der kann es sich ganz einfach machen. Er wechselt einfach den Rahmen seines Profilbildes. Ganz oben in den Trends steht nun der „Love the Earth“-Profilbildrahmen, dessen unterer Rand eine Erde und ein Herz zieren. Mission erfüllt!

Ich will gar nicht heucheln! Ich habe früher selber Unmengen an Zeit und Energie in Facebook verballert und Diskussions-Schlachten in den Kommentarleisten geführt, die letztlich nur mein Ego verwöhnten. Aber wir haben doch nicht mehr 2013, sondern 2018 und sollten mittlerweile zu der Erkenntnis gekommen sein, dass dieser Facebook-Aktivismus die reale Welt in kaum einer Weise tangiert.

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