Mohssen Massarrat fragt: „Linke Sammlungsbewegung, wohin?“ – www.NachDenkSeiten.de

28-08-18 07:42:00,

28. August 2018 um 9:09 Uhr | Verantwortlich:

Mohssen Massarrat fragt: „Linke Sammlungsbewegung, wohin?“

Veröffentlicht in: Das kritische Tagebuch

Mohssen Massarrat

In einer Woche wird die Sammlungsbewegung #Aufstehen auch offiziell das Licht der Welt erblicken. Kritiker sprechen von einer Initiative von oben ohne Unterbau. Dies sieht Mohssen Massarat anders. Der emeritierte Professor für Sozialwissenschaftler begreift #Aufstehen vielmehr als Anreiz, selbst zur Feder zu greifen, sich über die Inhalte einer solchen Bewegung Gedanken zu machen und dadurch einen Unterbau für #Aufstehen zu schaffen. Seine persönlichen Gedanken zur Sammlungsbewegung hat er in einem Gastartikel für die NachDenkSeiten dokumentiert.

Linke Sammlungsbewegung, wohin?

Der gegenwärtig desaströse Zustand der Reformparteien allein rechtfertigt eine neue und in die Gesellschaft hineinwirkende Initiative wie die Linke Sammlungsbewegung Die potentiellen Reformparteien, so wie sie sich gegenwärtig präsentieren, sind insgesamt zu schwach, agieren neben- oder gar gegeneinander. Wenn die SPD-Parteivorsitzende Andrea Nahles bei ihrem ARD-Sommer-Interview trotz aktueller Umfragen, die die SPD bei 17% zeigen, nichts Besseres einfällt, als lächelnd zu verkünden, dass sie sehr zufrieden sei, dass aber bei den Umfragen noch eine Schippe drauf müsse, dann kann man ahnen, dass die SPD sich im Groko-Milieu wohlfühlt und auch nichts tun will, um ihrem endgültigen Niedergang ernsthaft gegenzusteuern. Die SPD scheint aus eigener Kraft nicht imstande zu sein, sich von ihrer antisozialen Agendapolitik zu trennen. Auch die Rebellion der Jusos scheint sich mehr oder weniger in Luft aufgelöst zu haben. Die Grünen haben zwar im Moment etwas Aufwind, aber nur auf Kosten der SPD und der Linken, jedoch nicht durch die Mobilisierung neuen Wählerpotentials. Die absurde Konkurrenz gegeneinander ist offenbar für die Grünen ein Wert an sich geworden, wenn Robert Habeck sich zum Ziel gesetzt hat, die SPD überholen zu wollen. Fakt ist, dass auch die Grünen weiterhin viel zu sehr im Sumpf der rot-grünen-neoliberalen Modernisierungsrhetorik ausharren. Zudem haben sie sich von ihren pazifistischen Wurzeln weit entfernt und können daher gegen die neue Aufrüstung Deutschlands und der EU keine Rolle spielen. Auch die Linkspartei hat lange die Langzeitarbeitslosen übersehen, weil auch sie diese strategisch wichtige Gruppe als Wählerpotential abgeschrieben hatte. Sie hatte offensichtlich die politische Bedeutung der Massenarbeitslosigkeit jahrelang unterschätzt und versäumt, das Projekt Allgemeine Arbeitszeitverkürzung als die soziale Lösung für mehrere Millionen Arbeitslose und Unterbeschäftigte anzuschieben. So wurden Teile der eigenen Wählerbasis und Millionen vernachlässigte Menschen leichtfertig der AfD überlassen.

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