Die Debatte über #Chemnitz zeigt, wie zwiegespalten unsere Gesellschaft mittlerweile ist – www.NachDenkSeiten.de

31-08-18 12:36:00,

31. August 2018 um 12:48 Uhr | Verantwortlich:

Die Debatte über #Chemnitz zeigt, wie zwiegespalten unsere Gesellschaft mittlerweile ist

Veröffentlicht in: Audio-Podcast, Das kritische Tagebuch

Jens Berger

Deutschland ist sich weitestgehend einig darin, dass Nazis und gewaltbereite Rechtsextremisten in diesem Land keinen Platz haben dürfen. Gut so. Eigentlich sollte dies mittlerweile Kosens sein und nicht extra betont werden müssen. Die Instrumentalisierung der Vorfälle in Chemnitz durch Rechtsextremisten und die dadurch ausgelöste Debatte zeigen jedoch auch, dass der gemeinsame Konsens hinter diesem kleinsten gemeinsamen Nenner bereits aufhört. Eine umfassendere Debatte, die auch die sozioökonomischen und politischen Gründe beleuchtet, ohne die der zunehmende Rechtsruck in unserer Gesellschaft kaum vorstellbar wäre, findet nicht statt. Stattdessen klopfen wir uns lieber gegenseitig auf die Schultern und beteuern tagein tagaus, wie doof wir Nazis finden. Das ist zwar vollkommen richtig aber auch nicht gerade umwerfend originell. Von Jens Berger.

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Zeitungen werden über möglichst schrille Schlagzeilen verkauft und im ohnehin schon hyperventilierenden Onlinebereich muss man sogar noch ein Schippe drauflegen, um Klicks und damit Werbeeinnahmen zu generieren. Anders ist die momentane Dauererregung der veröffentlichten Meinungen kaum noch zu erklären. Ein Superlativ jagt den nächsten, wenn es nicht gleich ein Hauch von Weimar ist, so werden zumindest Parallelen zu den Ausschreitungen in Rostock Lichtenhagen gezogen. Geht es nicht ein bisschen kleiner und leiser? Sogar der vielzitierte Begriff „Hetzjagd“ erscheint bei unaufgeregter und differenzierter Betrachtung überzogen. Kann man die widerliche Hetze und den Hass, der zweifelsohne von ein paar Dutzend rechtsextremer Aktivisten in Chemnitz hinausgebrüllt wurde, nicht scharf kritisieren, ohne die Situation derart maßlos zu dramatisieren?

Nun werden sicher auch einige Leser sagen, dass man gerade beim Thema Rechtsextremismus nicht vorsichtig genug sein kann und es doch besser sei, einmal mehr auch in schrillen Tönen zu warnen, als einmal zu wenig. Ist das wirklich so? Ich habe da meine Zweifel. Die eigentliche Frage sollte doch sein, wen und was man überhaupt erreichen will. In meiner eigenen Echokammer muss ich dieses Thema überhaupt nicht mehr anschneiden – da ist man sich ohnehin einig,

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