Dramatischer Countdown für die grosse Schlacht bei Idlib

31-08-18 06:47:00,

Flüchtlingslager bei Idlib im Nordwesten von Syrien
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Flüchtlingslager bei Idlib im Nordwesten von Syrien

Amalia van Gent / 31. Aug 2018 –

Die Vorbereitungen der syrischen Armee für eine Offensive auf Idlib sind im Gange. Hier soll sich die Zukunft Syriens entscheiden.

Die Provinz Idlib machte erstmals Schlagzeilen im Juni 2011. Gerade hatten Dschihadisten des IS das Provinzstädtchen Jisr esh-Shoughur besetzt und zur Abschreckung vermeintlich Andersdenkender gleich alle 123 Polizisten der Ortschaft massakriert. Der Fluss Orontes, der durch das Städtchen fliesst, spülte in den folgenden Wochen immer wieder verstümmelte Körperteile der Massakrierten an die Ufer.

Idlib machte erneut Schlagzeilen, nachdem die syrischen Truppen im November 2016 die Wirtschaftsmetropole Aleppo eingenommen hatten. Die geschlagenen Oppositionellen erklärten sich nach einer Vermittlung von Moskau und Ankara bereit, sich mit ihren Familien in der Provinz Idlib niederzulassen. Noch zählte die Provinz rund 200’000 Einwohner. Dieses Szenario wiederholte sich haargenau auch nach den Niederlagen der sunnitischen Opposition in Ost-Ghouta, in Suwaida und in Deraa. Abertausende von traumatisierten Flüchtlingen drängten sich jedesmal in diese Provinz, die direkt an der Türkei grenzt. Das Flüchtlingshilfswerk der Uno schätzt die Bevölkerung Idlibs mittlerweile auf 2,5 Millionen Menschen.

Unausweichliche Grossoffensive

Am 10. August hat die syrische Luftwaffe Luftblätter über Idlib abgeworfen, in denen die Anwohner zur Kapitulation aufgerufen wurden. «Der Krieg geht zu Ende», hiess es darin. Die syrische Regierung kündigte gleichzeitig eine Amnestie für bewaffnete Gruppierungen an, die im Rahmen von Abkommen den «Rechtsstaat wieder respektieren». Im Klartext forderte Damaskus nichts weniger als die Entwaffnung aller Gruppierungen in Idlib.

Seit Wochen melden syrische wie internationale Presseorgane von Vorbereitungen, die die syrische Armee angeblich für eine Grossoffensive auf Idlib treffe. Die offiziellen Flugblätter signalisierten aber erstmals auf unmissverständlicher Art, dass Damaskus die Schlacht auf Idlib als unausweilich betrachte. Der Countdown läuft.

Idlib gilt als letzte Hochburg der sunnitischen Opposition in Syrien. Experten schätzen, dass in dieser kleinen Provinz im Nordwesten des Landes im Laufe der letzten Monate neben den rund 2,5 Millionen Binnenflüchtlingen auch rund 100‘000 bis 150‘000 bewaffnete Männer untergekommen seien. Davon hätten sich die meisten unter dem Dach von der Kaida-nahen, extremistischen HTS (Heyet Tehrir al-Sham) versammelt. Für die syrischen Kriegsstrategen gilt, dass Baschar al Assad Idlib jetzt unter seine Kontrolle bringen und die dortigen bewaffneten Gruppierungen zerschlagen müsste,

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