Rücktritts-Minister Hulot kommt durch Geheimbericht in Verlegenheit

31-08-18 04:00:00,

EPR in Olkiluoto, Finnland. Fotomontage.

(Bild: Teollisuuden Voima Oy / CC BY-SA 3.0 )

Ein Bericht, als “Militärgeheimnis” eingestuft, lässt den Abgang des französischen Umweltministers in einem etwas anderen Licht erscheinen

Hat Nicolas Hulot nun die Öffentlichkeit belogen, als er damit aufgehört haben will, sich und das Land noch länger zu belügen? Denn so hatte er kürzlich seinen Rücktritt begründet. Dass er sich im Radiosender France Inter, wo er seinen plötzlichen Rücktritt bekanntgab, weiter als aufrechter Umweltschützer darzustellen versuchte, bekommt durch die Veröffentlichung von Ausschnitten aus einem Geheimbericht nun ein paar deutliche Risse.

Darüber berichtet die französische Zeitung “Les Echos”. Und darin wird die Version, wonach Hulot seinen Rücktritt auch mit dem “unnützen Irrsinn der Atomkraft” begründet, die “technisch und ökonomisch” wahnsinnig sei, massiv erschüttert.

Vielleicht ist es so, dass Hulot angesichts des Berichts, der auch von seinem Haus in Auftrag gegeben wurde, nur eine Flucht nach vorne angetreten hat. Denn spätestens mit dem Beginn der Umsetzung der Pläne wäre vom grünen Anstrich bei Hulot nicht mehr viel übrig geblieben. Seine Reputation war ohnehin schon massiv angeschlagen, nachdem der staatliche Energieversorger EDF vor knapp einem Jahre seine Pläne bekanntgemacht hatte (vgl. Frankreich: “30 bis 40 neue EPR-Reaktoren bis 2050!”).

Die “Erhaltung der Industriekapazitäten der Nuklearwirtschaft”

Bekannt ist, dass der Geheimbericht nicht nur von Wirtschaftsminister Bruno Le Maire in Auftrag gegeben wurde, sondern auch von Hulot, dem bisherigen Minister für den “ökologischen und solidarischen Übergang”. Doch liest man, was Les Echos daraus öffentlich macht, dann ist von einem Übergang sicher nichts zu sehen.

Es handelt sich eher ein Machwerk aus dem militärisch-industrieller Komplex (MIK). Denn es geht darin vor allem um die “Erhaltung der Industriekapazitäten der Nuklearwirtschaft”. Im Zentrum steht die Befürchtung des Militärs und der EDF, dass Frankreich weiter technische Kompetenzen in der Atomindustrie einbüßen könnte.

So werden die massiven Probleme beim Bau der neuen Atommeiler in Flamanville oder im finnischen Olkiluoto erklärt, der eigentlich schon fast 10 Jahre Strom liefern sollte. Die geplante Renaissance der Atomkraft durch den neuen European Pressurized Reactor (EPR) erhält an beiden Standorten ständig Rückschläge und Niederlagen.

Beide sollten längst am Netz sein, doch ständig wird ihre Inbetriebnahme weiter verschoben,

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