Atomkriegs-Bedrohung – Eine der größten „Fake News“ des 20. Jahrhunderts?

01-09-18 07:27:00,

Die Behauptung „Wir stehen hier vor einem Nuklearkrieg!“ lähmt die Menschen und auch die Friedensbewegung. Davor warnt der Politikwissenschaftler Lutz Kleinwächter. Aus seiner Sicht plant niemand einen atomaren Angriffskrieg. Er hält es für notwendig, die Atomwaffen abzuschaffen – „aber die Menschheit ist dafür noch nicht reif“.

„Die USA, auch mit dem Präsidenten Donald Trump, will keinen Nuklearkrieg. Genauso wenig wie Russland.“ Davon ist der Politikwissenschaftler Lutz Kleinwächter überzeugt, wie er gegenüber Sputnik betonte. „Die Führung eines Nuklearkrieges war und ist nicht im Interesse eines Staates, der über Kernwaffen verfügt. Eine ‚aktive Nuklearkriegsbedrohung‘ – die praktische Vorbereitung eines atomaren Angriffskrieges – war bislang kein Ziel irgendeiner Staatsführung.“

Das schreibt Kleinwächter in seinem online veröffentlichten Beitrag „Bedrohung durch Atomkrieg? Eine Schimäre!“ Es handelt sich um die Langfassung des Textes zum Thema, den Kleinwächter in der August-Ausgabe der Zeitschrift „WeltTrends“ veröffentlicht hat.

„Keine äußere Realität“

Auf Sputnik-Nachfrage betonte er, dass im Rahmen des Systemkonfliktes von 1945 bis 1991 beide Seiten sich gegenseitig mit Atomwaffen bedrohten, seit die Sowjetunion 1949 das US-Monopol auf Kernwaffen brach.

„Der anderen Seite wurde immer die maximalste Bösartigkeit unterstellt: Vorbereitung von Angriffskriegen und Nuklearkriegen. Aber letztlich ging jede Seite in ihren Konzepten davon aus, die andere wird sie nuklear angreifen. Dagegen müsse eine Abwehr aufgebaut werden. Das mündet dann in dieser Abschreckungsdoktrin.“

Im Online-Beitrag schrieb der Politologe: „Die offensive Nuklearbewaffnung und ihre ‚passive Abschreckungs-‚Wirkung sind auf allen Seiten ein fragiles Instrument der Politik, um die eigene staatliche existenzielle Sicherheit von außen militärisch nicht in Frage stellen zu lassen.“  Bedrohungslegenden seien während des Kalten Krieges und danach primär als Disziplinierungsinstrument der Innenpolitik eingesetzt worden. „Sie stellten aber keine äußere Realität dar“, so Kleinwächter.

Nach Hiroshima und Nagasaki nicht wieder eingesetzt

Die Doktrin von der angeblich notwendigen Abschreckung sei vorrangig mit politisch-ideologischen Auffassungen begründet worden, erklärte er im Interview. In der Praxis habe das jedoch keine zugespitzte Rolle gespielt. Bei allen Krisen und realen Kriegen während des Kalten Krieges, von Korea in den frühen 1950er Jahren über die Kuba-Krise 1962 bis zur atomaren Hochrüstung in den 1980er Jahren sei alles in gegenseitige Unterstellungen gemündet.

„Und wenn es sich zuspitzt, wird verhandelt, wird diskutiert, wird zum Teil wie in den 70er und 80er Jahren massiv zurückgenommen und abgerüstet.“ Deshalb ist aus seiner Sicht die These vom drohenden Atomkrieg in der zweiten Hälfte des 20.

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