Der Vernichtungskrieg

01-09-18 08:53:00,

Vor einigen Wochen machte eine angebliche Aussage Ursula von der Leyens die Runde im Internet. Die NATO dürfe einen Erstschlag gegen Russland nicht ausschließen, soll die amtierende deutsche Verteidigungsministerin gesagt haben. Wer sich die Quelle – nämlich die Satire-Website „Berliner Express“ – nicht genau angesehen hatte, konnte das Zitat durchaus ernst nehmen.

Das Problem hierbei ist aber gar nicht so sehr die vermeintliche Leichtgläubigkeit mancher Mediennutzer. Unser aller Problem ist vielmehr, dass Ursula von der Leyen solch eine Aussage tatsächlich zuzutrauen ist. Mich hat das (Fake-)Zitat beim ersten Lesen nicht aus den Socken gehauen. Denn es passt ja absolut in die Denkweise transatlantischer Falken und es passt generell in den herrschenden Zeitgeist großer Teile der westlichen Machteliten in Politik, NATO und Leitmedien.

Von einem entschlossenen Dementi der Verteidigungsministerin oder ihrer Pressestelle zu dem gefälschten Zitat ist denn auch nichts bekannt. Und seien wir realistisch: Große Teile des Medien-Mainstreams – darunter etwa der Faktenfinder der Tagesschau, der nun mit dem gefälschten Zitat wieder mal sein Süppchen gegen Russland kocht – würden von der Leyen mit Zähnen und Klauen gegen Kritiker verteidigen, wenn sie solch einen Satz tatsächlich sagen würde.

In der Tat geben von der Leyen und ihre Kollegen aus der Bundesregierung regelmäßig recht ähnliche Aussagen von sich. Im Juli 2016 beispielsweise erläuterte die CDU-Politikerin, Deutschland und die Nato müssten aus einer „Position der Stärke“ mit Russland sprechen. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte zur gleichen Zeit: Die NATO müsse mehr Präsenz im Baltikum und in Polen zeigen. Außenminister Heiko Maas sagte kürzlich, dass die Ostpolitik Willy Brandts und Egon Bahrs nicht mehr zeitgemäß sei. Zur Erinnerung: Damals ging es um Entspannung, Annäherung und Versöhnung. Maas, von der Leyen und Co. halten das vermutlich für eine Position der Schwäche.

Einen Großteil der deutschen Alpha-Journalisten haben sie mit dieser Haltung sowieso auf ihrer Seite. Diese poltern gern selbst gegen Russland und bieten anderen Polterern bereitwillig eine Plattform. Erst im April dieses Jahres wiederholte von der Leyen ihre Forderung der Härte gegenüber Russland. Mit einer Mischung aus Hollywoodpsychologie und 50er-Jahre-Rhetorik bekräftigte sie im Interview mit der Bild am Sonntag:

„Präsident Putin schätzt keine Schwäche. Anbiedern oder Nachgiebigkeit macht ihn nicht freundlicher. (…) Das Kernproblem ist heute: Der Kreml braucht Feindbilder,

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