Die Kriegsverbrecher-PR

01-09-18 08:56:00,

Was sagst du da, lieber Nachbar? „De mortuis nil nisi bene“? Na sowas, unser Soozi demonstriert humanistische Gymnasialbildung. Audite, audite! Hört, hört! Er spricht lateinisch! Doch, lieber, schwer geschlagener Parteisoldat, du hast schon wieder mal was missverstanden. Jetzt lassen wir aber richtig den Oberlehrer raus: Der lateinische Satz verlangt, „über die Toten nicht anders, als in guter Weise“ zu reden. Die Form ist gemeint. Nicht der Inhalt! Sonst hieße es „bonum“, nicht „bene“. Claro?

Was von einem Gestorbenen zu halten ist, kann man so oder so ausdrücken. Verlogene Lobhudelei ist zwar üblich, aber unumgänglich ist sie nicht.

Verkündet die Tagesschau:

„Weltweit haben Politiker den verstorbenen Republikaner und US-Senator John McCain gewürdigt“ (ebenda),

dann ist das noch zutreffend. Zitiert die Tagesschau Kanzlerin Merkel mit dem formellen Kondolenztext:

“Wir verlieren mit ihm einen Menschen, dessen persönlicher Mut und dessen Aufrichtigkeit auch sein politisches Wirken prägten. John McCain war geleitet von der festen Überzeugung, dass der Sinn jeglicher politischer Arbeit im Dienst für Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu finden sei. Sein Tod ist ein Verlust für alle, die diese Überzeugung teilen” (ebenda).

dann haben wir ein Beispiel diplomatischer Höflichkeit vor uns, mehr nicht. Ergänzt die Tagesschau ihre Meldung mit dem Satz:

„Auch Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen zeigte sich beeindruckt von McCain als einem ‚eindrucksvollen, gradlinigen, tapferen und unbeugsamen Charakter’” (ebenda).

dann allerdings ist das Eis schon hauchdünn, auf dem hier Nachrichtenjournalisten ihre Pirouetten drehen. Denn wenn die Kriegsministerin solche Sprüche klopft, hat das durchaus einen eigenen, zum Nachdenken einladenden Nachrichtenwert. Die Frau lässt kaum Zweifel aufkommen, wes kriegsbereiten Geistes Kind sie ist.

Setzt die Tagesschau über ihren Beitrag jedoch den Titel „Es bleibt tiefer Respekt“ (ebenda), dann brechen ihre Schreiberlinge richtig ein und lassen die Aufrichtigkeit mit absaufen. Denn John McCain war objektiv eine Kriegsgurgel, wie man in Süddeutschland den politischen „Falken“ nennt. Ein Kriegshetzer, als den man diesen Mann fraglos betrachten muss.

Unvergessen seine jahrelange Hetze gegen Russland (2). Unvergessen seine vielen unsäglichen öffentlichen Auftritte, bei denen er forderte, den Iran zu bombardieren: „Bomb, bomb, bomb, bomb, bomb Iran!“ (3) Bis in die letzten Tage seines irdischen Daseins.

Brav berichtete die Tagesschau, McCain sei in den USA als Kriegsheld gefeiert worden,

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