Zwischen Unterdrückung und Rebellion – Warum uns das Schicksal der Kurden alle angeht

02-09-18 07:14:00,

Seit 2015 führt die türkische Regierung einen blutigen Krieg gegen die Kurden – im eigenen Land und in Syrien. Warum uns das Schicksal der Kurden auch hierzulande etwas angeht, beschreibt Kerem Schamberger in seinem Buch “Die Kurden – Ein Volk zwischen Unterdrückung und Rebellion”. Der Autor übt auch heftige Kritik an der deutschen Regierung.

Herr Schamberger, Sie haben dem kurdischen Volk ein Buch gewidmet, dass die Vergangenheit, aber auch die gegenwärtige Lage der Kurden beschreibt. Warum sollte uns das Schicksal der Kurden alle etwas angehen?

Uns sollte das Schicksal der Kurden deshalb etwas angehen, weil Europa sehr eng mit diesem Schicksal verbunden ist. Das hat man auch während des türkischen Angriffskrieges auf das syrische Afrin im Januar dieses Jahres gesehen. Dort waren vor allem Panzer und Waffen aus europäischer und deutscher Rüstungsproduktion im Einsatz. Wir können uns nicht immer darüber aufregen, dass vor allem Kurden aus der Region um Afrin nach Europa fliehen, wenn es unsere Waffen sind, die die Menschen zum Fliehen bewegen.

Deshalb hat das sehr viel mit uns zu tun. Das ist übrigens nicht nur in diesem Jahr so gewesen: Die Verbindung zwischen Europa und den jeweiligen Regierungen und Diktaturen in der Türkei ist ganz alt und geht noch bis zum ersten Weltkrieg zurück, als das Deutsche Reich mit dem Osmanischen Reich verbündet war.

Die Kurden sind ein Volk ohne eigenen Staat, es umfasst zwischen 25 und 30 Millionen Menschen. Was ist das Schicksal dieser Volksgruppe?

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Sputnik / Michail Alaeyddin

Das tragische Schicksal dieser Volksgruppe ist, dass sie während die Idee der einzelnen Nationalstaaten entstanden ist, im imperialistischen Verteilungsspiel immer den Kürzeren gezogen haben. Man kann das vor allem nach dem ersten Weltkrieg beobachten, als die Grenzen im Nahen und Mittleren Osten mit dem Lineal gezogen worden sind.

Da ging es um die Interessen der Franzosen und der Engländer. Dort wurde die Teilung Kurdistans innerhalb der Türkei und innerhalb Syriens beschlossen, ohne die Menschen dort zu fragen. Und das, obwohl einer der Staatsgründer der türkischen Republik, Mustafa Kemal Atatürk, den Kurden damals Autonomie und Eigenständigkeit versprochen hatte.    

In den deutschen Medien wird meist über zwei Regionen berichtet, in denen Kurden eine wichtige Rolle spielen: In Syrien im Kampf gegen den IS und in der Türkei als Gegenpol zu Präsident Erdogan.

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