Demokratie wagen in Kurdistan – www.NachDenkSeiten.de

03-09-18 01:03:00,

3. September 2018 um 8:31 Uhr | Verantwortlich:

Demokratie wagen in Kurdistan

Veröffentlicht in: Außen- und Sicherheitspolitik, Erosion der Demokratie, Länderberichte, Rezensionen, Terrorismus

Die Bundesregierung rollt dem türkischen Präsidenten wieder den roten Teppich aus. Mit großem Pomp, militärischen Ehren und einem Staatsbankett wird Ende September Recep Tayyip Erdogan in Deutschland empfangen, gerade so, als sei mit der Türkei wieder alles in Ordnung. Es ist die ultimative Aufwertung ausgerechnet des Mannes, der weiterhin Deutsche als politische Geiseln einkerkert, der Oppositionelle zu zehntausenden einsperrt, kritische Medien schließt und Krieg gegen die Kurden in den Nachbarländern führt wie daheim. Zur Demonstration und Festigung seiner Macht möchte der Despot vom Bosporus auch zu seinen Anhängern in Deutschland sprechen, seinen Landsleuten, wie er sagt. Angefragt sind große Veranstaltungsorte in Köln, gesucht wird aber auch nach einer geeigneten Arena in Berlin. Von Rüdiger Göbel.

Warum der Erdogan-Besuch in Deutschland nicht ohne Widerspruch bleiben darf, davon legt das Buch „Die Kurden. Ein Volk zwischen Unterdrückung und Rebellion“ von Kerem Schamberger und Michael Meyen beredtes Zeugnis ab. Doch dazu weiter unten.

Recep Tayyip Erdogan ist eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit in Deutschland. Zu dem Schluss jedenfalls sind in der vergangenen Woche die Behörden im hessischen Wiesbaden gekommen, weshalb sie den türkischen Präsidenten unter großem Polizeiaufgebot mit einem Feuerwehrkran haben entfernen lassen. Der Sultan, vier Meter hoch, innen betonhart, außen golden glänzend, war im Rahmen der Biennale unter dem Motto „Bad News“ auf den Sockel gehoben worden und hatte erwartungsgemäß die Gemüter erregt. Bevor die Lage zwischen Erdogan-Fans und -Gegnern, vornehmlich kurdische Demonstranten, weiter hätte eskalieren können, hat man – sicher ist sicher – die überlebensgroße Statue kurzerhand aus der Stadt geschafft.

Allein, aus dem Auge, aus dem Sinn, das funktioniert nicht. Erdogans langer Arm reicht tief nach Deutschland. Gerade erst hat er von der Staatsanwaltschaft in Neubrandenburg einen Kurden vorladen und verhören lassen – wegen angeblicher Präsidentenbeleidigung. Der beschuldigte Mann war im Jahr 2000 nach Deutschland geflüchtet und ist dennoch nicht sicher.

Für die Kurden ist die Aufwertung und Unterstützung Erdogans durch die Bundesregierung der reine Hohn. Was hat sich denn in der Türkei seit der Bundestagswahl vor einem Jahr zum Besseren geändert,

 » Lees verder