Der Spezialist für Verschwörungsideologien kneift

03-09-18 12:43:00,


Amerikanologe Michael Butter © NDR

Urs P. Gasche / 03. Sep 2018 –

Medien zitieren Michael Butter häufig als Experten. Infosperber wollte seine Meinung zu Kritik an seinem Buch hören. Vergeblich.

Der Professor für amerikanische Literatur- und Kulturgeschichte in Tübingen teilt gerne heftig aus. Daniele Ganser, den Spezialisten für Kriege der Nato seit 1945, bezeichnet Butter als «derzeit bekanntesten Verschwörungstheoretiker des deutschsprachigen Raums». Das Perfide Gansers bestehe darin, dass er nur Fragen stelle, «letztendlich aber insinuiert», hinter den Anschlägen von 9/11 stecke die US-Regierung («Nichts wie es scheint» Seite 86; NZZ 6.5.2018).
Infosperber hatte Ganser zu dessen Aussagen kritische Fragen gestellt: «Daniele Ganser auf den Zahn gefühlt».

Infosperber wollte neben Daniele Ganser auch Michael Butter in einem Interview eine Reihe kritischer Fragen stellen und Sachverhalte und Missverständnisse mit ihm klären.

Doch dieser lehnte ab.

Deshalb formulierten wir die wichtigsten Kritikpunkte schriftlich und baten Butter, zu allen Punkten schriftlich Stellung zu nehmen. Infosperber sicherte Butter zu, das Interview-Manuskript vor Veröffentlichung absegnen zu können.

Doch Butter lehnte wiederum ab.

Er begründete dies wie folgt: Erstens befürchte er Hassmails und Hasskommentare. Zweitens würden die vorgelegten Kritikpunkte auf «bewussten Missverständnissen, Zuspitzungen und Verallgemeinerungen» beruhen.****

Umso mehr hätten wir in einem Interview gerne abgeklärt, was Sache ist.

«Konstituierende Merkmale einer Verschwörungstheorie»

Butters Weigerung darf nicht dazu führen, die Kritik nicht öffentlich zur Diskussion zu stellen. Im Folgenden erinnern wir an Butters Kernmerkmale von Verschwörungstheorien und fassen dann die gesammelten Kritikpunkte zusammen, die wir Butter zur Stellungnahme zugestellt hatten.

Der Professor für amerikanische Literatur- und Kulturgeschichte übernimmt vom US-Politikwissenschaftler Michael Barkun folgende drei «konstituierende» Merkmale einer Verschwörungstheorie («Nichts wie es scheint» Seite 22):

  1. Alles ist geplant;
  2. Nichts ist, wie es scheint;
  3. Alles ist miteinander verbunden.

Das Wichtigste an einer Verschwörungstheorie sei das Vorhandensein eines Plans (Seiten 21,23, wiederholte Aussagen als Experte):

Angeblich will eine Gruppe von Verschwörern mit einem geheimen Komplott die Kontrolle über eine Institution,

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