Tagesdosis 3.9.2018 – Spirale der Gewalt | KenFM.de

03-09-18 01:22:00,

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Ein Kommentar von Susan Bonath.

Alles starrt nach Chemnitz. Die Stadt ist Schauplatz sich entladenen Hasses bis hin zu roher Gewalt. Ausländisch aussehende Menschen werden gejagt. Ein junger Afghane wird brutal niedergeschlagen. Er und Dutzende andere müssen in der Notaufnahme des Krankenhauses versorgt werden. Wütende Mobs greifen Journalisten an, Kameras zerbersten, ein Mann stößt einen MDR-Reporter eine Treppe hinunter. Am Karl-Marx-Denkmal recken Faschisten den rechten Arm in die Höhe. Tausende stehen hinter ihnen. Wer es nicht sieht, erfährt es aus den Nachrichten. Wohl die meisten Bürger kommen trotzdem wieder. Slogans wie »Ausländer raus« tönen weithin. Dazu der Schlachtruf von NPD und freien Nazikameradschaften. Eine Masse johlt dazu. Man könnte meinen, Rassekundler Björn Höcke und seine AfD-Gefolgschaft bekommen nun endlich, was sie seit Monaten wortreich regelrecht herbeisehnen: Bürgerkriegsähnliche Zustände.

Niemanden scheint es mehr zu interessieren, worum es geht: Am Sonntag eskalierte ein Streit zwischen Flüchtlingen, Russland-Deutschen und dem Deutsch-Kubaner Daniel H. Worum es ging, ist immer noch nicht völlig klar. Die Story von einer angeblich bedrängten jungen Frau, die letztere beschützen wollten, entpuppt sich, wie etliche andere Geschichten, als von rechts gezielt gestreute Falschmeldung. Um Zigaretten sei es wohl gegangen, meinen die einen. Andere wollen wissen, die Asylbewerber hätten nach einer Geldkarte gefragt und dann angegriffen. Möglicherweise wird die Wahrheit irgendwo dazwischen liegen. Die beiden mutmaßlichen Täter aus dem Irak und aus Syrien sitzen in Untersuchungshaft. Daniel H. ist tot, ermordet mit fünf Messerstichen. In von Rechtsradikalen geführten Facebook-Gruppen echauffiert man sich darüber. 25 oder 27 Stiche sollen es sein. Man mobilisiert für den nächsten Aufmarsch.

Dass ein Freund und die Partnerin des Opfers öffentlich darum bitten, seinen Tod nicht für derlei Hassmärsche und fremdenfeindliche Hetze zu missbrauchen? Dass beide berichten, wie Daniel H. selbst regelmäßig Stress mit Neonazis wegen seiner Hautfarbe und seiner eher linken Einstellung hatte? Dass auch der Getötete einer der nun Gejagten hätte sein könnte? Wie mag sich die Familie durch diesen Missbrauch fühlen? Wen interessiert´s. Ihr auf brutale Weise ermordeter Angehöriger muss herhalten als Alibi für Faschisten. Und die wirklich Trauernden können sich nicht einmal wehren.

Um es vorab klar zu stellen: Ein Mord bleibt das übelste Verbrechen,

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