„Aufstehen“ gegen dominante Wirtschaftsinteressen – Ex-Grünen-Chef Volmer EXKLUSIV

04-09-18 07:28:00,

Ludger Volmer gehört zu den Mitinitiatoren der Sammlungsbewegung „Aufstehen“, die ihren Aufruf am Dienstag vorgestellt hat. Im Interview mit Sputnik erklärt der ehemalige Grünen-Vorsitzende, warum er mitmacht und seine eigene Partei kritisiert. Er spricht sich dabei auch für eine andere Politik des Westens gegenüber Russland aus.

Herr Volmer, Sie haben auf der Gründungs-Pressekonferenz der Sammlungsbewegung „Aufstehen“ den Aufruf dazu mitvorgestellt. Warum machen Sie als „Noch-Grüner“, wie Sie selber gesagt haben, dabei mit?

Meine Partei hat es leider in den letzten zehn Jahren geschafft, zwei der wichtigsten Gründungsideen fast völlig wegzuräumen, nämlich den Pazifismus und die soziale Orientierung. Ich weiß, dass eine intensive Sozialpolitik notwendig ist, um auch ökologische Forderungen durchzusetzen. Denn man muss den ärmeren Teilen der Bevölkerung die Freiheit geben, sich für Ökologie einzusetzen, indem man sie von den ganz unmittelbaren Alltagssorgen befreit. Auf der anderen Seite nehme ich wahr, dass viele dieser Leute, die zu kurz kommen in der Gesellschaft oder die Ängste haben, abzuhängen, sich rechtsradikalen Parteien und Bewegungen anschließen – nicht unbedingt, weil sie selber ideologisch rechtsradikal sind, sondern weil sie gar keinen anderen Ansprechpartner mehr für ihre Grundsatzkritik an den gesellschaftlichen Zuständen finden. Die Parteien des Mainstreams sind zu seicht geworden, spezialisieren sich auf Abgrenzungskriege gegeneinander, statt wirklich hineinzuhorchen, wo die Probleme in der Gesellschaft sind.

Ich gehöre zu einer Gruppe von Initiatoren, die versuchen will, einen Resonanzraum zu schaffen, so dass Leute, die eigentlich nie gehört werden, die Möglichkeit haben, sich zu äußern und auch sicher sein können, dass ihre Botschaft ankommt und wahrgenommen wird, verarbeitet und umgesetzt wird in politische Konzepte. Ich hoffe, indem wir einfach gesellschaftliche Mehrheitsmeinungen zur Geltung bringen, üben wir auch einen indirekten Druck auf die Parteien aus, denn die müssen sich dem öffnen. Wer sich dem öffnet, hat in der Parteienkonkurrenz dann wiederum Vorteile.

Was sind die prägnantesten Inhalte des Aufrufes?

Wir beschreiben in dem Aufruf die Haltung der Leute, die jetzt die Initiative ergriffen haben. Wir wollen solche Leute zur Mitarbeit einladen, die diese Haltung im Grundsatz teilen. Das heißt: Erneuerung der Demokratie durch Basisbeteiligung, durch Tiefenbeteiligung an der Gesellschaft, eine ökologische Orientierung, eine pazifistische Orientierung – und insbesondere die Thematisierung der sozialen Frage von links her. Es gibt so viele Ungerechtigkeit in dieser Gesellschaft, und es gibt eine solche Dominanz von Wirtschaftsinteressen,

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