Den Datenfischern die Netze kappen: Ideen gegen die Marktmacht der Plattformen

04-09-18 10:58:00,

Google ist synonym mit dem Begriff „Suchmaschine“. Das Unternehmen beherrscht den weltweiten Browser-Markt, den für Online-Video (Youtube) und den der Smartphone-Betriebssysteme (Android). Facebook betreibt mit seinen angeblich zwei Milliarden Usern das größte soziale Netzwerk der Welt und mit Instagram auch das zweitgrößte soziale Netzwerk. Mit Whatsapp und dem Facebook-Messenger kontrolliert Facebook die beiden meistgenutzten Chat-Apps. Vor Google und Facebook gibt es kein Entkommen.

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Den Datenkonzernen gehören zentrale Infrastrukturen unserer digital vernetzen Welt. Dank ihres einzigartigen Zugangs zu Milliarden Menschen dominieren sie einen globalen Markt: Das Milliardengeschäft mit Online-Werbung. Facebook und Google teilten sich nach einer Schätzung im Vorjahr 85 Prozent der Werbeausgaben auf der Welt, wenn man das online-abgeschottete China ausnimmt. Nicht nur für Nutzerinnen und Nutzer, auch für viele Firmen sind die Datenkonzerne unvermeidbar: Mit Google, Amazon und Microsoft bieten drei der vier größten Firmen der Welt Cloud-Dienstleistungen an und kontrollieren damit weitere wichtige Netz-Infrastrukturen. Inzwischen bauen die Konzerne sogar eigene Tiefsee-Datenkabel.

„Wettbewerb ist für Verlierer“

Die Digitalkonzerne streben Dominanz an. „Wettbewerb ist für Verlierer“, schrieb vor einigen Jahren der Gründer von Paypal und Palantir, Peter Thiel. Wer etwas von bleibendem Wert schaffen wolle, solle an einem Monopol arbeiten. Thiel sprach aus, was viele Firmenchefs im Silicon Valley denken.

Mit den großen Datenfischern zu konkurrieren ist schwer. Facebook und Google nutzen ihre Marktmacht schamlos, um Preise und Bedingungen festzusetzen. Die Firmen bauen auf zwei Grundprinzipien der digitalen Wirtschaft. Der erste ist der Netzwerkeffekt: Je mehr Menschen einen Dienst wie Facebook verwenden, desto lohnender ist er für alle. Dadurch werden große Anbieter stetig attraktiver. Zum anderen greift der Lock-In-Effekt: Je mehr man einen Dienst in das eigene Leben integriert, desto höher wird die Abhängigkeit von ihm. Wenn Alltag und Identität erstmal im Ökosystem der Digitalkonzerne stattfinden, wird die Wechselhürde immer höher.

Der Datenskandal um Cambridge Analytica verdeutlicht zudem die politische Dimension der Datenmonopole. Die Plattformen machen neue Formen der Wahlmanipulation mit zielgerichteter Werbung möglich und verdienen auch noch Geld damit. Riesige Finanzkraft und schwer kontrollierbare politische Macht: Das sind die Grundübel des Plattform-Kapitalismus,

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