Der Kampf um die neue Weltordnung

04-09-18 09:28:00,

Der Kalte Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion war offenbar ein Konflikt zwischen zwei Ideologien, zwei sozioökonomischen Systemen.

All das scheint Vergangenheit zu sein. Der Tag eines neuen Sozialismus mag unerwartet anbrechen, doch heute regiert der Kapitalismus die Welt. Die USA und Russland tragen nun einen hemmungslosen Kampf zwischen Kapitalisten aus. Auf den ersten Blick mag dieser wie eine klassische Auseinandersetzung zwischen rivalisierenden Kapitalisten erscheinen.

Und doch ist erneut ein ideologischer Konflikt im Entstehen, einer, der die Kapitalisten selbst spaltet, sogar in Russland und in den USA. Es ist der Konflikt zwischen Globalisierungsbefürwortern und Souveränisten, zwischen einer unipolaren und einer multipolaren Welt. Dieser Konflikt wird sich nicht auf die zwei größten Atommächte beschränken.

Die Niederlage des Kommunismus wurde auf brutale Weise in einem gewissen „kapitalistischen Manifest“ aus den frühen 1990ern verkündet, in dem es heißt:

„Das Licht, das uns führt, heißt Profit, erworben auf rein legale Art und Weise. Unser Herr ist seine Majestät, das Geld, denn nur Er kann uns zu Reichtum als Lebensmaßstabführen.“

Die Autoren dieses gewagten Traktats waren Michail Chodorkowski, der später der reichste Mann Russlands wurde, bevor er zehn Jahre in einem russischen Gefängnis verbrachte, und sein damaliger Geschäftspartner Leonid Newslin, der sich seitdem entspannt nach Israel zurückgezogen hat.

Es waren die guten alten Zeiten in den 1990ern, als die Clinton-Regierung Boris Jelzin unterstützte, während dieser es zuließ, dass Russland durch die vereinten Bemühungen von solchen ehrgeizigen, gut positionierten Russen und ihren westlichen Sponsern abgezockt wurde, insbesondere durch den „Loans-for-shares“-Trick.

In einem Vanity Fair-Artikel von 2012 über ihren Helden Chodorkowski fasst die vehemente Putin-Gegnerin und Journalistin Masha Gessen freiheraus zusammen, wie das funktionierte:

„Die neuen Oligarchen – ein Dutzend Männer, die begonnen hatten, die Macht auszuüben, welche Geld ihnen verlieh – schmiedeten einen Plan.Sie würden der Regierung Geld leihen, welches diese dringend benötigte, und im Gegenzug würde die Regierung ihnen Aktienpakete, die auf eine Mehrheitsbeteiligung an den großen staatlichen Unternehmen hinauslaufen, als Kreditsicherheit zur Verfügung stellen. Wenn die Regierung in Verzug geriet – sowohl die Oligarchen wie auch die Regierung wussten, dass dies passieren würde – würden die Oligarchen übernehmen. Durch diesen Trick privatisierte die Jelzin-Regierung Öl, Gas, Mineralien und andere Unternehmen ohne Zustimmung des Parlaments.“

Das funktionierte so gut,

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