Die falsche Israelpolitik

05-09-18 10:40:00,

Ich brauche die Leser des Rubikon sicher nicht davon zu überzeugen, dass die Anbiederung der deutschen Behörden an Israel verwerflich ist. Daher werde ich mich weder zum deutschen Waffenhandel mit Israel noch zur absurden Behauptung äußern, die Sicherheit Israels sei deutsche Staatsräson. Dennoch möchte ich zwei allgemeine Bemerkungen über die offizielle Einstellung Deutschlands zu Israel machen.

Typischerweise rechtfertigen alle Bundesregierungen ihre Israelpolitik mit der Behauptung, Deutschland trüge eine historische Schuld gegenüber dem jüdischen Volk und müsste daher den Staat Israel besonders unterstützen. Ich hingegen behaupte, dass diese Erklärung verlogen ist und dass die Unterstützung des Staates Israel seitens Deutschlands und der westlichen Staaten in erster Linie auf weltlichen und strategischen Gründen beruht. Das zu belegen ist nicht schwer.

Gewiss trägt Deutschland eine historische Verantwortung gegenüber verschiedenen Volksgruppen wegen der Verbrechen des Dritten Reichs, wobei die Verfolgung der Juden beispiellose Maßstäbe erreichte. Der Staat Israel verkörpert aber nicht beziehungsweise nicht nur „die Juden“, sondern vertritt alle seine Bürger. Die Mehrheit der Bürger des Staates Israel ist weder Opfer des Dritten Reiches, noch ist sie deren Ahnen. Auf der anderen Seite leben sehr viele jüdische Opfer und Nachkommen der Opfer des Dritten Reiches außerhalb Israels. Nicht der Staat Israel noch das „jüdische Volk“ waren Opfer des Dritten Reiches, sondern Menschen. Staaten können nicht leiden. Viele der individuellen Opfer wurden von der Bundesrepublik finanziell und moralisch entschädigt, teilweise großzügig, was ich persönlich bestätigen kann. Darauf darf die Bundesrepublik stolz sein und kann sich als Vorbild für Israel im Umgang mit Vertriebenen betrachten.

Deutschland trägt aber auch eine weitere Verantwortung wegen der Verbrechen des Dritten Reiches. Deutschland müsste sich besonders gegen jegliche Art rassistischer Diskriminierung einsetzen, denn der Genozid an den Juden beruhte auf dem rassistischen Konzept von „Blut und Boden“.

Gerade der Staat Israel ist einer der übrig gebliebenen Staaten, die auf rassistischer Diskriminierung beruhen. Hier ist ein kurzer Exkurs zur Terminologie der Begriffe Rasse, Rassismus und rassistisch angebracht: Das Wort Rassismus beruht auf der Annahme, dass es unterschiedliche Menschenrassen gibt, die sich wesentlich voneinander unterscheiden. Der Begriff der rassistischen Diskriminierung wird wegen seines Sprachgebrauchs in internationalen Menschenrechtsorganisationen aufrechterhalten. Es handelt sich also um jegliche Diskriminierung auf Grund der Herkunft, Hautfarbe, Nationalität, Ethnie, und so weiter. Die Judenverfolgung seitens der Nazis war daher keine Rassenverfolgung, da Juden keine Rasse sind, sondern die Verfolgung von Menschen auf Grund ihrer religiösen Zugehörigkeit.

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