Ein Schritt zurück, zwei Schritte vor – Jeremy Corbyn gibt im Antisemitismus-Streit nach und marginalisiert seine Gegner – www.NachDenkSeiten.de

05-09-18 11:57:00,

5. September 2018 um 13:06 Uhr | Verantwortlich:

Ein Schritt zurück, zwei Schritte vor – Jeremy Corbyn gibt im Antisemitismus-Streit nach und marginalisiert seine Gegner

Veröffentlicht in: Das kritische Tagebuch

Labour übernimmt gängige Antisemitismus-Definition“, so titelten gestern die deutschen Nachrichtenagenturen und interpretierten dies als Niederlage von Jeremy Corbyn, der sich stets gegen eine vollständige Übernahme dieser Definition samt der umstrittenen Beispiele gewehrt hat . Das ist nicht ganz falsch. Wer nun aber schlussfolgert, Corbyn ginge geschwächt aus diesem unwürdigen „Sommer-Theater“, täuscht sich. Erst am Wochenende konnten sich bei den turnusmäßigen Wahlen des Parteivorstandes ausschließlich Mitglieder durchsetzen, die auf der Liste der Momentum-Bewegung standen, die Corbyn politisch stützt. Gleichzeitig konnte Labour – mitten in der angeblichen Krise – einen neuen Mitgliederrekord verzeichnen. Corbyn sitzt fester im Sattel als je zuvor und kann sich nun wieder den wichtigen Themen zuwenden. Diese Botschaft sollte auch hierzulande gehört werden, da Parallelen zu #Aufstehen durchaus denkbar sind. Von Jens Berger.

Der vom rechten Flügels der Labour-Partei instrumentalisierte „Antisemitismus-Streit“ lähmte die politische Arbeit der britischen Linken nun bereits seit Monaten und mit tatkräftiger Unterstützung fast aller britischer Massenmedien drohte die Debatte sich auch noch bis in den Herbst zu ziehen. Um die fruchtlose Kampagne zu beenden und endlich wieder selbst die politische Agenda bestimmen zu können, zog die Parteispitze nun einen Schlussstrich. Labour übernimmt die Antisemitismus-Definition samt der umstrittenen Beispiele, ergänzt dies jedoch mit dem Zusatz, der einen Missbrauch der Definition zur Unterdrückung der Rede- und Meinungsfreiheit bei den Themen Israel und Palästina verhindern soll. Wie dies gelingen soll, bleibt ein Geheimnis. Jeremy Corbyn konnte sich in diesem Punkt nicht durchsetzen. Er musste die ihm eingebrachte Ergänzung zum Positionspapier zurückziehen, nachdem klar wurde, dass er im Vorstand dafür keine klare Mehrheit finden würde. Diese Niederlage dürfte nun zumindest vorrübergehend etwas Ruhe in die Debatte bringen, obgleich Mitglieder des rechten Parteiflügels bereits klar gesagt haben, dass es ihnen nicht um das Thema „Antisemitismus“ geht, sondern darum, Corbyn loszuwerden und die Partei wieder zu Bei den turnusmäßigen Neuwahlen enende ferner denn je. wieder zu gesagt haben konnte sich in diesem Punkt nicht durchsetzenheübernehmen.

Dieses Ziel ist jedoch spätestens seit dem letzten Wochenende ferner denn je.

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