Seid misstrauisch und unbequem!

05-09-18 10:31:00,

Wir begrüßen Euch zum Antikriegstag in der ehemaligen Waffenschmiede des Reiches, die sich gerade zur Kriegsratsstadt wandelt. Es ist nicht nur so, dass hier wieder Rüstungsproduktion auf Weltspitzenniveau erfolgt; Thyssen-Krupp ist Weltmarktführer bei nicht nuklear-getriebenen U-Booten (1), die es unter anderem auch für die Atomraketen Israels produziert, die Rheinmetall-Tochter Ferrostaal ist an Marine-Geschäften von Thyssen-Krupp über das German Submarine Consortium mit beteiligt, und Munition, die im Jemen zum Einsatz kommt, weist den Code RWM auf, der auf Rheinmetall und Ferrostaal zurückgeht (2).

Seit 2015 finden hier höchstrangige NATO-Konferenzen von circa 300 führenden Vertretern des militärisch-industriellen Komplexes statt. Sponsoren sind weltführende Konzerne der Nuklear-, Drohnen- und weitern Hightech-Rüstung wie General Atomics. Sie treffen sich mit NATO-Kräften bis in die höchsten Ränge sowie mit Politikern der Bundesregierung und Strategen aus sogenannten Denkfabriken der Militärs, wie dem einladenden Joint Air Power Competence Centre aus Kalkar. Der Titel der Konferenz ist „Der Nebel des Tages Null – Luft und Weltall an der Frontlinie“ (3).

Laut Tagungsunterlagen meinen sie mit der „Stunde Null“ den Beginn von Kampfhandlungen; was man daran erkennt, dass Forum drei sich mit der Frage befassen soll, ob die NATO die nötige Mentalität, Gesinnung oder Einstellung hat, am Tag Null zu kämpfen. Die Militärs benutzen in diesem Zusammenhang das englische Wort „Mindset“ (4). Um einen solchen „Mindset“ bei der Bevölkerung und den Militärs zu erzielen, haben die Militärs die strategische Kommunikation zum Manipulationsinstrument aller Bürger in ihrem Sinn verfeinert (5).

Das Wort „Nebel“ im Titel ihrer diesjährigen Essener Konferenz erinnert Menschen, die ich zu ihrer Assoziation befragt habe, unter anderem an die Qualmwolke des Atompilzes.

Das passt auf bedenkliche Weise zu Inhalten der Konferenzen der NATO-Militärs, wie sie mir vorliegen, etwa von der letztjährigen Konferenz der Militärs in der Messe Essen, die auf Seite 13 des Ergebnisberichts erklärte, eine Wiederaufstellung von atomaren Mittelstreckenraketen käme in Betracht. Man spricht dort auch von der Absenkung der nuklearen Schwelle, da diese billiger sei als ein konventioneller Krieg (6).

Hier fällt auf, dass die Frage von Atomkrieg Ja oder Nein zu einer fiskalischen gemacht wird, sich quasi aus einer kaufmännischen Überlegung heraus ergibt. Dass dabei die Kosten der Konsequenzen eines Atomkriegs unberücksichtigt bleiben, ist das eine. Die Kosten können unberechenbar hoch sein, wenn ein nukleares Inferno im nuklearen Winter und damit dem Untergang der Menschheit kulminiert.

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