Die ideologische Mobilmachung

06-09-18 09:31:00,

Das ist nicht zuletzt der Chemnitzer Staatsanwaltschaft zu verdanken, von der man in Spiegel Online lesen durfte:

„Auf Nachfrage des SPIEGEL verwies Oberstaatsanwalt Klein, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft in Dresden, in schriftlich freigegebenen Zitaten am Montag zunächst auf die rechtliche Schwierigkeit. Der Begriff ‚Hetzjagd‘ sei juristisch nicht definiert, so der Jurist. ‚Ich verstehe unter einer Hetzjagd etwa mehrere Personen, die einen Menschen durch die Stadt jagen, um diesen zu verprügeln oder körperlich massiv anzugehen.‘ Das, was seine Behörde bislang ausgewertet habe, enthalte keine Hinweise auf derartige Hetzjagden. ‚Wir sind mit der Auswertung allerdings noch nicht fertig. Es kann theoretisch sein, dass auf weiterem Bild- und Filmmaterial ein solcher Vorgang enthalten ist‘, fügte Klein hinzu.“

Die Aussagen des Chefredakteurs der lokalen Tageszeitung, der nicht nur selbst, sondern auch mit Mitarbeitern vor Ort war und sich klar von dem Begriff „Hetzjagd“ distanziert, waren nicht ausreichend. Im Gegensatz zu den meisten Medien waren für die „Freie Presse“ die Ausschreitungen in Chemnitz am Sonntagabend dies eben nicht. Sehr schnell hatte Torsten Kleditzsch im Deutschlandfunk erklärt, warum. Er bestreitet nicht, dass Gewalt stattgefunden habe, er weist nur darauf hin, dass die verbale Beschreibung massiv eskaliert, die Begrifflichkeiten also falsch waren.

Das blieb aber lange Zeit die einzige Stimme der Vernunft in den Medien – auch in den „sozialen“. Wer – speziell in „linken“ Kreisen – nach Quellen in Form von Videobelegen fragte, wurde sehr schnell als Nazi-Versteher, Verharmloser von Nazi-Gewalt, als Naivling oder als jemand, der „subtil die linken Kräfte verunglimpfe“, angegangen. Zumindest war das meine Erfahrung, als ich mich Montag vergangener Woche auf die Suche nach Videobeweisen machte.

Dass meine Suche nur erfolglos bleiben konnte, bestätigte mir endgültig Roland Alexander, Autor, Journalist und aktiv in der Welt, dann mit folgenden Tweets, die ich hier aus Gründen der Lesbarkeit zusammenfasse:

„Die Berichterstattung über die Verwendung des Begriffes ‚Hetzjagden‘ für die erste Demo in Chemnitz ist meiner Meinung nach ein Musterbeispiel, wie wir Journalisten das Vertrauen der Bevölkerung verspielen. Der Ablauf ist geradezu klassisch …

1) Die Regierung macht einen (in diesem Fall kommunikativen) Fehler.

2) Der Fehler wird v regionalen Medien (i d Fall @freie_presse) sauber dokumentiert u verantwortungsvoll eingeordnet

3) Wir Überregionalen pennen oder wollen es uns nicht mit Regierung verscherzen

4) Die @AfD skandalisiert,

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