Falsches Verständnis

07-09-18 07:22:00,

8,541 Milliarden Euro standen im deutschen Bundeshaushalt im Jahr 2017 für die Entwicklungshilfe zur Verfügung. Zum Vergleich: Im selben Jahr gab Deutschland 44,3 Milliarden Euro für Rüstung aus. Die Bundesregierung bevorzugt also eine Industrie, die Zerstörung, Leid und Tod über die Menschen bringt, gegenüber Programmen, die Menschen helfen sollen.

Mit seinen Ausgaben für Entwicklungshilfe bleibt Deutschland zudem hinter dem von der OECD festgelegten Ziel, hierfür 0,7 Prozent des BIP auszugeben, zurück. Im Jahr 2015 waren es nur 0,52 Prozent. Trotz dieses geringeren Prozentsatzes lag die Bundesregierung allerdings noch immer über dem Durchschnitt der OECD Länder. Kein „entwickeltes“ Land scheint sich also ernsthaft für das Fortkommen der als „unterentwickelt“ bezeichneten Länder einzusetzen.

Doch auch die Gelder, die für angebliche Entwicklungshilfe ausgegeben werden, sind zumeist nichts anderes als eine Außenwirtschaftsförderung. So subventionieren die Bundesregierung und die europäische Union in Afrika agierende, westliche Konzerne, damit diese dort Land privatisieren und eine auf Monokultur basierende Landwirtschaft aufbauen, wobei sie nicht selten Menschen von ihrem Land vertreiben. Was das mit „Hilfe“ zu tun haben soll, erschließt sich wahrscheinlich nur einem vom Neoliberalismus verblendeten Großindustriellen.

Doch es geht noch absurder: Die sehr interessante Dokumentation „Konzerne als Retter“ zeigt einen Fall, in dem ein aus Europa stammender Unternehmer in einem von Armut geprägten afrikanischen Land mit europäischer Entwicklungshilfe Kühlhäuser errichtet hat, um dort Fertigpizzen eines namhaften Herstellers verkaufen zu können. Fertigpizza überdies, die sich ein Durchschnittsbürger dieses Landes überhaupt nicht leisten kann.

Dieses Beispiel offenbart sehr anschaulich das Problem der sogenannten Entwicklungshilfe. Westliche Regierungen wähnen sich als großzügige Gönner und selbstlose Unterstützer armer, „unterentwickelter“ Regionen, indem sie einen verschwindend geringen Teil ihres Haushaltes für diese Länder bereitstellen. Doch nur circa ein Viertel der Gelder sind „Zuschüsse“, also Gelder, die nicht zurückverlangt werden. Das bedeutet im Umkehrschluss: Für den Rest erwarten die westlichen Länder eine Gegenleistung oder eine Rückzahlung.

Der Zweck dieser Gelder soll sein, in den betreffenden Ländern eine nach westlichem Vorbild konstituierte Wirtschaft aufzubauen, sodass diese eine eigene Industrie, eine industrielle Landwirtschaft oder einen Technologiesektor errichten können. Auf diese Weise sollen die Länder „wettbewerbsfähig“ werden. Doch tun die westlichen Länder das aus purer Menschenfreundlichkeit?

Natürlich nicht. Es scheint vielmehr, dass – nachdem China sich zu einem immer wichtigeren und mächtigeren Wirtschaftsreich erhebt – die westlichen Länder eine neue Werkbank für ihren Konsum benötigen.

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