Helden ziehen nicht in den Krieg!

07-09-18 07:23:00,

Das Krasseste an der US-amerikanischen Gesellschaft ist die reaktionäre Sentimentalität, die unsere mit Tratsch geschwängerten Herzen jedes Mal reflexartig ergreift, wenn einer unserer angeblichen Kriegshelden ins Jenseits übergeht. Die sorgfältig einstudierten Erklärungen unnützer politischer Figuren betäuben unseren Geist, während all jene, die noch zurechnungsfähig sind, sich wohl fragen, was so ein staubiger alter Knochen wie John McCain je für uns getan hat.

Donald Trump war einst ein Neuling auf der politischen Bühne und konnte noch immer Brücken abbrechen, wenn sie es wert waren, abgebrochen zu werden. Eine von Trumps Sternstunden fand statt, als er sagte, McCain sei kein Kriegsheld. Eine derartige Erklärung war so notwendig, dass man sagen könnte, es sei der schönste Moment gewesen, den der „Nicht so große Pumpkin“ [Der „Große Kürbis“ ist eine Gestalt — ähnlich dem Weihnachtsmann — in den Geschichten um Charlie Brown/Die Peanuts; Anmerkung der Übersetzerin] dem US-amerikanischen Volk gebracht hat. Ich brauche wohl nicht extra darauf hinzuweisen, dass wir jeglicher politisch korrekter Sentimentalität widerstehen müssen, wenn Trump einst vor seinen Schöpfer tritt.

Ob jemand ein Kriegsheld war oder nicht, entschied Trumps Machometer dadurch, ob der Betreffende gefangengenommen wurde oder nicht. Der Ausdruck „Kriegsheld“ ist ein Paradox in sich, wir müssen also dem öden Cheeseball (1) die glanzlose Definition verzeihen. John McCain ist kein Held.

John McCain war überzeugter Zionist, aber diese Eigenschaft ist so US-amerikanisch wie Apple Pie.

McCain setzte sich mehr als fast jeder andere für mehr Truppen im Irak ein. Als George W. Bush nachgab und 2007 weitere 20.000 Streitkräfte in den Irak entsandte, nannten die Demokraten dies „Die McCain-Doktrin“.

US-Amerikaner, die sogar noch dümmer als Bush II sind, haben damit angefangen, Bush als „vernünftig“ zu bezeichnen. Der vernünftige Bush sprach von fünfzig Jahren im Irak, McCain erhöhte den Einsatz auf einhundert Jahre. Auch für den Krieg in Afghanistan sprach er sich begeistert aus. Und wie sein Kumpel Barack auf der anderen Seite des politischen Spektrums fühlte auch er sich von Libyen unter Muammar Gaddafi bedroht. McCains mannhaftes Getue gegen Vladimir Putin war so aufschlussreich wie Trumps Bromance (2) mit eben diesem.

Das Ganze stank ganz furchtbar, als John McCain sich auf die Seite der guten alten amerikanischen Werte schlug und seinen Bruder aus der anderen Partei, Barack Obama, zu seinem Begräbnis einlud – wahrscheinlich,

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