Straße der Empathielosigkeit

06-09-18 10:17:00,

Stolz steht das Auto in der Garageneinfahrt und präsentiert stumm den vorbeigehenden Fußgängern das Prestige seines Besitzers oder dessen Rang in der Hierarchie der Firma, in der er arbeitet. Etwas ältere Exemplare waren vermutlich schon auf dem Hochzeitsfoto dabei, haben mit ihrem Gesicht aus Scheinwerfer und Kühlerhaube mit in die Linse gelächelt und auf der Motorhaube einen Blumenstrauß getragen.

Es ist treu, es ist da, in guten wie in schlechten Zeiten. Als blutjunger SUV, der seinem Besitzer hilft, die schweren Einkäufe aus dem Biomarkt ins traute Heim zu bringen, oder als alter, treuer Oldtimer-Freund, der in der Garage durch das Schnaufen seiner Motorventile dem Besitzer noch das Verständnis zeigt, welches er von seiner Ehegattin schon lange nicht mehr bekommt. Wenn die Eheringe schon längst verstaubt in der Ecke liegen, blitzen auf der Kühler- oder der Motorhaube noch vier Ringe oder der letzte Stern, den der Besitzer in dunkler Nacht noch sieht, oder auch ein Hengst, dessen Potenz er, der Besitzer, niemals besaß.

Jüngere Käufer legen ihr Gefährt meist tiefer und gleichzeitig hebt das seinen Besitzer ab. Von den anderen. Es faucht und brüllt, wenn der Besitzer nur fiepsen kann. Für den Besitzer war es schon des Öfteren der Wing-man, der Flügel für die Freiheit und das fahrende Wohnzimmer auf vier Rädern, wenn die Kumpels auf der Rückbank und die Böhsen Onkelz auf der Heckscheibe mitfuhren.

Eine nie endende Liebesgeschichte: Der Deutsche und sein Auto.

Bedauerlicherweise handelt es sich hierbei um eine streng monogame Beziehung. Trifft der Besitzer mit seinem Auto auf der Straße auf andere Paare, ist es mit der Zärtlichkeit ganz schnell vorbei. Hier wird dann gedrängelt, gehupt, beschleunigt, Tempolimits missachtet, rechts – oder noch schlimmer – in der Kurve überholt und damit der Tod oder zumindest das zu Tode Erschrecken des entgegenkommenden Fahrers billigend in Kauf genommen.

Auf den Straßen herrscht Anarchie statt Empathie!

Und nach meiner persönlichen Wahrnehmung verschlimmerte sich dieses Verhalten in den letzten Jahren. 2011 habe ich mit 18 meinen Führerschein gemacht und ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es vor sieben Jahren noch nicht so rücksichtslos auf den Straßen zuging. Mittlerweile vermeide ich das Autofahren nahezu komplett und beobachte den Wahnsinn vom Beifahrersitz oder aus den Fenstern von Flixbussen.

„Highway to hell“, sangen AC/DC. „Der Weg ist das Ziel“,

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