Chemnitz und die Psychologie der Massen

08-09-18 10:00:00,

Noch einmal: Ein junger Mann wird erstochen, zwei weitere werden schwer verletzt; dies mitten im Zentrum von Chemnitz und das treibt noch vor und dann nach einem Aufruf der AfD spontan mehrere hundert Menschen auf die Straße. Die Massenblätter wussten umgehend zu berichten (b1):

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Was sie dort erkennen können, nennt man einen Spin (1). Der schafft nämlich eine ganz bestimmte Atmosphäre, um Menschen einzunehmen.

Danach erfuhren wir über eine Woche lang ganz Erstaunliches. Nämlich, dass der Mord eines Migranten/Asylanten/Flüchtlings — sagen wir doch einfach, der eines jungen Mannes aus dem Irak — gezeigt hat, wie ausländerfeindlich eine große Anzahl der Chemnitzer doch ist. In Politik und Medien wird die Empörung der Bürger über die Bluttat reduziert auf „rechte Gewalt“. Diese „rechte Gewalt“, dieser „rechte Mob“ hat übrigens — wenn ich das bis zum heutigen Tag richtig mitbekommen habe — keine Toten und Verletzten gefordert (2).

Ich bin irritiert.

Warum also sind viele Chemnitzer tatsächlich so aufgebracht?

Sie meinen, dass Sie darüber nichts in unseren Medien erfahren konnten?

Ganz ohne Zweifel haben Menschen bei Demonstrationen in Chemnitz den Hitlergruß gezeigt und ebenso zweifellos konnte man in der rechten Szene in den vergangenen Tagen eine zunehmend rege Aktivität beobachten. Nicht ohne Grund, denn diese Leute wussten ganz genau, dass für sie reichlich Werbung gemacht werden würde. Sie nahmen voll und ganz die Berichterstattung ein.

Merke: Wahrnehmung bedarf einer Tribüne und zum Interesse angeregte Zuschauer. Für Beides wurde reichlich gesorgt. Ja, man könnte meinen, einer Choreographie beigewohnt zu haben.

Warum aber sind denn die Chemnitzer nun wirklich so sauer?

Weil sie von der AfD mitsamt ihren Kollaborateuren vom rechten Rand verführt wurden? Ich sage nicht, dass das tatsächlich so ist, sondern vermittle ihnen nur ein Narrativ, mit dem Sie sich augenscheinlich intensiv beschäftigen sollen.

Denn schauen Sie: Wenn Sie sich nur ausgiebig mit diesem Narrativ beschäftigen, dann wird alles wieder schön einfach. Verteidigen wir gemeinsam unseren demokratischen Rechtsstaat gegen rechtes Gedankengut. Kämpfen wir entschlossen gegen braune Auswüchse, keine Toleranz bei Nazis. Dafür müssen wir nichts weiter ändern, nichts an der Gesellschaft und nichts bei uns selbst. Es genügt vollends, lautstark „Stellung zu beziehen“ — worauf ich weiter unten noch einmal eingehe. Ich möchte darauf aufmerksam machen,

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