Die letzte Schlacht

08-09-18 10:00:00,

Das Gleichgewicht von Krieg und Frieden im Norden Syriens
von Suhaib Anjarini

Wenig wird über die Interessen gesprochen, die regionale und internationale Akteure des Syrienkrieges in Idlib haben. Syrien will sein Territorium befreien und wird von Russland und dem Iran dabei unterstützt. Europa, die USA und die Golfstaaten wollen ihre umfangreichen Investitionen in die Spaltung Syriens schützen, die sie in den letzten Jahren vorgenommen haben. Millionensummen an Hilfsgeldern sind nach Idlib geflossen. Waffen und Munition, Logistik und natürlich Bargeld, das als Sold an die rund 100.000 Kämpfer in Idlib bezahlt wird. Der Westen will verhindern, dass seine Fußtruppen Idlib verlassen müssen, dann ginge auch ihr Einfluss auf die Zukunft Syriens verloren.

Die Türkei sitzt in einer Falle. Sie hat — im Auftrag und mit Geld und Waffen aus dem Westen und aus den Golfstaaten — die Kämpfer gesammelt, genährt und nach Syrien geschickt, die heute von Idlib aus auch die Türkei bedrohen.

Während des Krieges in Syrien kam dem Norden des Landes zu jedem Zeitpunkt eine besondere Bedeutung zu. Jede der vier Landesgrenzen Syriens wies im Laufe des Krieges Besonderheiten auf, die komplexe Lage im Norden aber beeinflusste permanent die gesamte Entwicklung. Das außerordentliche Gewicht, das der Norden auf die militärische Eskalation ausübt, zeigt sich erneut am endgültigen Scheideweg des Krieges. Über die Entscheidung von „Krieg und Frieden“ hinaus will der Norden über das gesamte Schicksal Syriens mitentscheiden. Vier Brennpunkte gibt es hier und jeder weist eine eigene komplexe Struktur auf, die sich mit denen der anderen Brennpunkte überschneidet.

Ein Brennpunkt sind die militärischen Strukturen der „Syrischen Demokratischen Kräfte“, die ihre Herrschaft von Manbij, nordöstlich von Aleppo, bis Ain Diwar, nordöstlich von Hasakeh, ausgeweitet haben. Die damit verbundenen Probleme überschneiden sich mit dem Brennpunkt im syrischen Osten, wo die US-amerikanische Besatzung Militärbasen errichtet hat. Diese beiden Brennpunkte überschneiden sich mit den Herausforderungen, die sich durch die türkische Besatzung ergeben, die wiederum in zwei Gebiete aufgeteilt ist. Ein Gebiet unter dem so genannten „Euphrat Schutzschild“ und ein weiteres Gebiet unter der Operation „Olivenzweig“. Jedes dieser von der Türkei besetzten Gebiete weist eigene Besonderheiten auf. Das betrifft die Bevölkerungsstruktur und deren politische Loyalitäten als auch die dort jeweils eingesetzten bewaffneten Verbände.

Der vierte und komplizierteste Brennpunkt ist das Territorium von Idlib mit den verschiedenen bewaffneten Verbänden.

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