Endstation Manila – www.NachDenkSeiten.de

09-09-18 04:49:00,

9. September 2018 um 11:45 Uhr | Verantwortlich:

Endstation Manila

Veröffentlicht in: Antisemitismus, Länderberichte, Militäreinsätze/Kriege

Es war ein beklemmend-schauriger Anblick, zum Wochenbeginn ausgerechnet den Hitler-Idi Amin-Marcos-Verehrer Rodrigo R. Duterte und eingefleischten Palästinenserfeind Benjamin Netanyahu gemeinsam händeschüttelnd auf Fotos diverser Nachrichtenagenturen abgebildet zu sehen. Der erste Israel-Besuch eines philippinischen Präsidenten hätte nebst Waffengeschäften und anderen bilateralen Verträgen weitaus Interessanteres im Umgang zwischen Filipinos und Juden zutage fördern können – zahlreichen jüdischen Intellektuellen, Schriftstellern, Wissenschaftlern und Künstlern bot der südostasiatische Inselstaat während des Zweiten Weltkriegs immerhin eine sichere Zufluchtstätte vor Hass, Verfolgung und Naziterror. Von Rainer Werning[*].

Als während der sogenannten Reichspogromnacht ein aufgebrachter Nazimob randalierte, jüdische Häuser und Geschäfte zerstörte, Synagogen in Brand setzte und Kinder aus dem Fenster warf, organisierten Filipinos am 19. November 1938 im fernen Manila eine riesige Protestrally, um diese barbarischen Akte zu brandmarken. Rasch sollten auch Taten folgen; zahlreiche Verfolgte fanden Schutz in den Philippinen. Ermöglicht wurde dies durch das Engagement von Einzelpersonen und der philippinischen Commonwealth-Regierung (damals noch unter US-Hoheit) mit Präsident Manuel L. Quezon an der Spitze. Manila und Schanghai waren zu jener Zeit die Orte in der Welt, wo eine vergleichsweise nachsichtige und für politisch Verfolgte liberale Immigrationspolitik herrschte.

Willige Helfer/innen

Den Philippinen war es möglich, eine eigene Einwanderungspolitik – frei von Beschränkungen etwa bei der Festlegung der Einwanderungsquoten – zu betreiben. Nachdem die erste Welle von Flüchtlingen im September 1938 angekommen war, wuchs die jüdische Community zahlenmäßig weiter an. Sie erreichte mit etwa 2.500 Mitgliedern Ende 1942 ihren Höchststand.

Anfang April 2005 meldete der philippinische Botschafter in Israel, Antonio C. Modena, seinem Außenministerium in Manila, dass man an der gebührenden Anerkennung der Rolle arbeite, die dem philippinischen Volk im Hinblick auf die Hilfestellungen zukomme, die man jüdischen Flüchtlingen bei ihrer Flucht aus dem von Nazis besetzten Europa gewährte. Er führte aus:

„Das philippinische Volk begrüßte die jüdischen Flüchtlinge zu einer Zeit auf den Philippinen, als der Rest der Welt einem Volk die Türen zuschlug, das eine sichere Zuflucht vor der Tyrannei der Nazis suchte. Man sollte dem philippinischen Volk sicherlich dafür Anerkennung zollen, dass es an einem hohen moralischen Standard festhielt und Humanität zeigte.“ [1]

Der Botschafter wies darauf hin,

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