Lasst uns endlich massenhaft #aufstehen!

09-09-18 07:31:00,

Vorweg: ich, der Autor dieses Artikels, gehöre neben Nina Hagen, Julia Neigel, Eugen Drewermann, Albrecht Müller, Antje Vollmer und vielen anderen zu den Erstaufrufern von #aufstehen. Nehmen Sie, liebe Leserin und lieber Leser, diese Verortung bitte zur Kenntnis. Denn ich gedenke nicht, sie im Folgenden hinter einer Wolke angeblicher Neutralität verschwinden zu lassen.

Erwarten Sie, liebe Unterstützerin, lieber Unterstützer von #aufstehen, deshalb aber auch keinen kritiklosen Jubelartikel. Denn es gibt an einem alles in allem gelungenen Start dieser Sammlungsbewegung durchaus auch Kritisches anzumerken. Das werde ich in der gebotenen Deutlichkeit tun.

aufstehen hätte gar nichts davon, wenn sich die Unterstützung der Sammlungsbewegung in Kritiklosigkeit und Jubelpersertum zu beweisen hätte. Diese Art von Kadavergehorsam hat schon ganze Weltreiche ins Abgrund gestürzt. Da wird sie einer jungen, noch kleinen Bewegung kaum gut tun.

Und wie sollten sich Menschen, die von unterschiedlichen oder auch: von keinen politischen Traditionen geprägt worden sind, sammeln und zusammenfinden zu einer Bewegung, wenn es keine Möglichkeit gäbe, diese Unterschiedlichkeit einzubringen und eben auch auszutragen?

Das allerdings ist eine wahre Pest in unserer Zeit: die grassierende Unfähigkeit, Konflikte zivilisiert, lösungsorientiert und mit der nötigen Relaxtheit auszutragen.

Wir sind alle miteinander Meinungstotalitaristen geworden. Jahrzehntelange Freundschaften werden aufgekündigt, Menschen erklären sich zu Feinden – weil man sich über sicherlich relevante Teilaspekte der aktuellen Politik uneins ist. Die Kommentarfunktion auf Facebook ist das Paradebeispiel für diese kollektive, kommunikative Erkrankung.

Es wird Zeit, den Kopf aus diesem Treibsand zu ziehen und sich einmal umzuschauen, abseits der medial vermittelten Scheinrealität. Dann erkennen und verraten wir uns vielleicht gegenseitig ein großes Geheimnis.

Dieses Geheimnis ist, dass wir uns in Wahrheit einig sind.

Etwa nicht? Es gibt geschätzt 2.973 konkrete Maßnahmen, die jeder Mensch mit einem funktionierenden Gehirn und zwei Augen im Kopf selbstverständlich unterstützt.

Oder kennen Sie irgendeinen Menschen in Ihrem persönlichen Umfeld, der den allgemeinen Plastikwahnsinn befürwortet? Ist Ihnen jemand untergekommen, der fordert, wir sollten dringend noch mehr Plastikmüll produzieren?

In 12 afrikanischen Ländern wurden Plastiktüten bereits verboten. Warum nicht hier? Weil das „der Markt von selber regelt“, wie uns die Neoliberalen seit vier Jahrzehnten ins Ohr säuseln? Der Markt regelt offensichtlich gar nichts, zumindest nicht im Sinne der Allgemeinheit. Also muss das geregelt und durchgesetzt werden –

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