«Starbucks»: Die Kehrseite des Zaubertranks

09-09-18 05:03:00,

Dank seinem Marketing gilt der «Starbucks»-Konzern trotz aller Kritik als liberales Unternehmen.

Tobias Tscherrig / 09. Sep 2018 –

Der ehemalige «Starbucks»-Chef Howard Schultz ist ein Meister des Marketings – und wird als Nachfolger von Donald Trump gehandelt.

Seit «Starbucks» existiert, ist Kaffee nicht mehr bloss Getränk, sondern trendiges Lifestyle-Produkt. Sein gutes Image verdankt der Konzern in erster Linie einem ausgeklügelten Marketing, das auf sozialem Engagement und einem humanistischen Leitbild beruht.

Gleichzeitig steht «Starbucks» in der Kritik: wegen seinem Streben nach Rentabilität, dem Druck auf seine Mitarbeiter, dem Verkauf von Fastfood-Produkten und wegen seiner Steueroptimierungs-Strategie. Obwohl «Starbucks» diese Realität gerne kaschiert, ist es «Arte» gelungen, im Dokumentarfilm «Starbucks ungefiltert», einen Blick auf die graue Realität zu werfen, die hinter dem auf Hochglanz polierten Image des Kaffeeriesen steckt.

Vom Kaffemogul zum US-Präsidenten?

«Starbucks ungefiltert» ist aktuell: Kürzlich ist der langjährige «Starbucks»-Chef Howard Schultz endgültig zurückgetreten. Schultz ist die Schlüsselfigur der aggressiven «Starbucks»-Expansion der vergangenen Jahre, ausserdem mischt er sich immer wieder aktiv in die US-Politik ein. Er ist ein Vertrauter von Ex-Präsident Barack Obama und unterstützte im vergangenen US-Wahlkampf Hillary Clinton. Hätte Clinton gewonnen, wäre Schultz mit einiger Wahrscheinlichkeit Arbeitsminister geworden. Aktuell werden dem 64-jährigen Milliardär gar Ambitionen nachgesagt, bei der US-Präsidentschaftswahl im Jahr 2020 gegen Donald Trump anzutreten.

Schultz hat sich während seiner Zeit bei «Starbucks» ein liberales und humanes Image zugelegt, in den USA ist er äusserst beliebt. Die Dokumentation «Starbucks ungefiltert» zeigt die andere Seite des Konzerns und seines langjährigen Chefs. Sie zeigt ein Imperium, das funktioniert, weil es seinen Kunden Sand in die Augen streut.

Am Anfang war die Gegenkultur

Die Geschichte von «Starbucks» beginnt Anfang der 70er -Jahre in Seattle. Die Bewegung der Gegenkultur ist auf ihrem Höhepunkt, sie stellt den amerikanischen Lebensstil in Frage. Auch Supermärkte voller eintöniger und fader Lebensmittel gehören zum Feindbild. Die drei Studienfreunde Jerry Baldwin, Gordon Bowker und Zev Siegl wollen gegen diese Vereinheitlichung und den steten Drang nach Konsum ankämpfen und gründen das Unternehmen «Starbucks».

1982 tritt Howard Schultz als Marketing-Direktor in das Unternehmen ein. Der ambitionierte Aufsteiger aus New York erkennt das Potenzial – und hat deutlich grössere Zukunftsvisionen als die drei Gründer.

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