Eine schrecklich schweigsame Familie: Die Kirchen sollten jetzt massiv zurückgedrängt werden – www.NachDenkSeiten.de

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13. September 2018 um 13:28 Uhr | Verantwortlich:

Eine schrecklich schweigsame Familie: Die Kirchen sollten jetzt massiv zurückgedrängt werden

Veröffentlicht in: Erosion der Demokratie, Kirchen/Religionen, Strategien der Meinungsmache

Eine neue Studie belegt schockierende Ausmaße des Kindesmissbrauchs in der katholischen Kirche. Man sollte das Empörungspotenzial der Untersuchung nutzen, um ganz allgemein den gesellschaftlichen Einfluss der Kirchen massiv zurückzudrängen – weit über das Thema Missbrauch hinaus. Von Tobias Riegel.

Eine neue Studie zu Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche eröffnet Blicke in Abgründe. Doch es sind nicht nur die menschlich-moralischen Abgründe, die sich auftun, sondern gleichzeitig die politisch-gesellschaftlichen: Die von der deutschen Bischofskonferenz initiierte und der „Zeit“ vorliegende Studie verdeutlicht durch ihre zweifelhafte Machart und die Ergebnisse einmal mehr die bekannte Existenz einer mächtigen, verschwiegenen und abgehobenen Parallelgesellschaft. Diese nicht demokratisch legitimierte Parallelgesellschaft Kirche schützt nicht nur die sexuellen Obsessionen von Teilen ihres Personals. Sie nutzt zudem ihren starken gesellschaftlichen Einfluss und ungerechtfertigte staatliche Subventionen, um politische Inhalte zu bekämpfen oder zu fördern.

Die Gelegenheit ist aktuell günstig und sie kommt nicht alle Tage: Das Empörungspotenzial der Missbrauchs-Untersuchung sollte politisch über das Thema hinaus genutzt werden: um die Institution katholische Kirche allgemein (auch politisch) zurückzudrängen und auf ihren Platz im Privatleben zu verweisen.

Die Studie selbst ist bereits absurdes Dokument kirchlicher Hybris: Sie wurde mutmaßlich erst initiiert, nachdem der Handlungsdruck durch Untersuchungen im US-Staat Pennysilvania und in Australien zu groß wurde. Zudem kann die Art der Erhebung, die hier näher beschrieben wird, nur als unseriös bezeichnet werden. Akten wurden vernichtet, die Untersuchung wurde von Bischöfen in Auftrag gegeben, kontrolliert und bezahlt – und vor allem: “Das Forschungsprojekt hatte keinen Zugriff auf Originalakten der katholischen Kirche. Alle Archive und Dateien der Diözesen wurden von Personal aus den Diözesen oder von diesen beauftragten Rechtsanwaltskanzleien durchgesehen“, heißt es in der Studie. Eine Untersuchung von Bischofs Gnaden.

Missbrauch ist nur die Spitze des Eisbergs kirchlicher Verfehlungen

Durch die unseriöse Erstellung der Erhebung und die dennoch schockierenden Ergebnisse von mindestens(!) 3677 missbrauchten Kindern allein seit 1946 wirkt diese zur Entlastung gedachte Studie gegenteilig: Die Kirche erscheint dadurch erst Recht als eine Institution, die außer Kontrolle geraten ist und die sich – mitten in Deutschland – die eigenen Gesetze schreibt.

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