“Freiheit” für Katalonien

13-09-18 08:06:00,

Bild. R. Streck

Die “Diada”, der katalanische Nationalfeiertag, steht ganz unter dem Eindruck spanischer Repression, politischer Gefangener, Politiker im Exil und hunderter Anklagen

Es ist genau 17 Uhr 14 am 11. September. Eine ergreifende und unglaubliche Stille herrscht im Gedränge am “Königspalast” auf der “Diagonal” in Barcelona. Dabei rollt gerade eine Welle in mehr als sechs Kilometern an der “Plaça de les Glòries” los. Erst gut drei Minuten kündigt hier am Palast ein fernes Rauschen die Woge an. Es nimmt Sekunde für Sekunde über der größten und breitesten Straße der katalanischen Metropole an Intensität zu, die quer durch Barcelona führt. Plötzlich erreicht der Tsunami, von über einer Million Menschen gebildet (wie auch die Polizei sagt), hier das Ende der “Demonstration”, um sich in einem Fahnenmeer und einem Schrei zu entladen: “Llibertat, Llibertat” (Freiheit). Nach einer Computeranalyse der Luftbilder sollen es 1,7 Millionen Teilnehmer gewesen sein.

Eine “Demonstration” im Wortsinne als Marsch war unmöglich, denn die Diagonal ist am katalanischen Nationalfeiertag (Diada) wegen Überfüllung geschlossen, dabei hatten spanische Medien zuvor von einer “abbrechenden Beteiligung” fabuliert und wurden wieder einmal Lügen gestraft. Dass sich schon im Vorfeld eine halbe Million Menschen mit ihrem Namen und Ausweisnummer registrieren und sich einen Abschnitt zuweisen ließen, was in vielen Fällen wegen Überlastung der Webseite und der Aktivisten auch misslang, machte längst klar, dass die Forderung nach Unabhängigkeit von Spanien, der Freiheit der politischen Gefangenen, die Rückkehr der Exilierten, die sich wie der ehemalige Regierungschef Carles Puigdemont im Exil befinden, erneut durch Menschenmassen geäußert werden würde.

Tatsächlich machte diese Mobilisierung klar, dass die absolut friedfertige Bewegung nichts an Stärke eingebüßt hat, sie scheint sogar eher zu wachsen und zu reifen, denn diese Diada gehörte zu den ganz großen. An diesem Tag war deshalb Bewegung nur über eine Welle durch die Masse möglich, die am “Palau Reial” die Mauer der Repression symbolisch wegspült. Zwar gibt es auch Sprechchöre für die Unabhängigkeit, doch in diesem Jahr wurde vor allem “Freiheit” für alle gefordert. Genau das hatte auch Laura Masvidal im Telepolis-Gespräch (Interview folgt) deutlich gemacht. Die Frau des ehemaligen Innenministers Joaquin Forn drängt darauf, dass man die positiven Werte – “Freiheit, Demokratie soziale Gerechtigkeit für alle, ohne Ausnahme” – herausstreichen müsse und man sich nicht allein mit einer Unabhängigkeit,

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