«Bio-Lebensmittel sollten die Norm sein»

18-09-18 09:29:00,

Hans Rudolf Herren setzt sich für einen Kurswechsel in der globalen Landwirtschaft ein

Romano Paganini / 18. Sep 2018 –

ETH-Agronom Hans Rudolf Herren sieht die hochsubventionierte industrielle Landwirtschaft als «Sackgasse» und fordert ein Umdenken.

Insektenforscher, Weinbauer, Buchautor, Gründer der Stiftung Biovision, Mitglied des Club of Rome sowie Gewinner unzähliger Umwelt- und Landwirtschaftspreise: Hans Rudolf Herren, geboren und aufgewachsen im Kanton Wallis, hat sein Leben lang zu Ernährung und Umwelt geforscht – zuerst an der ETH Zürich, später jahrzehntelang in Afrika. Heute lebt der 70-Jährige auf einem kleinen Bauernhof im Capay-Valley, etwas ausserhalb von Sacramento/Kalifornien und kümmert sich dort um einen Rebberg sowie Zitrus-, Aprikosen-, Pfirsich-, Apfel-, Birnen- und Feigenbäume. Alles Bio. Um die Wiesen zu mähen, mietet er eine Schafherde vom Nachbarn, und gönnt sich dann gelegentlich auch ein Stück Schaffleisch. «Allerdings versuche ich nur noch so viel Fleisch zu essen, wie mein eigenes Land produzieren könnte», sagt der dreifache Vater.

Herren ist ausserdem Präsident des Millennium-Instituts in Washington. Dieses berät Regierungen und erarbeitet Strategien, um die 17 Nachhaltigkeitsziele der UNO umzusetzen. Diese sind vor knapp zwei Jahren in Kraft getreten und sollen bis 2030 umgesetzt sein.

Romano Paganini: Hans Rudolf Herren, Ihr Institut berät weltweit Regierungen bei Fragen zur nachhaltigen Entwicklung. Was raten Sie kleinen Ländern mit wenig Anbauflächen wie der Schweiz, wenn es um Ernährungssouveränität geht?

Hans Rudolf Herren: Ob klein oder gross ist nicht so wichtig, entscheidend ist die Bevölkerungsdichte und der Zugang zu Anbauflächen. Dicht bevölkerten Ländern wie der Schweiz empfehle ich eine Auslegeordnung zu machen, um zu sehen: Was können wir selbst produzieren? Weltweit gibt es im Moment für jeden Menschen rund 2000 Quadratmeter Land. Das ist mehr als genug, um die Menschheit ernähren zu können.

Selbst wenn alle fünfzig Kilogramm Fleisch pro Kopf und Jahr essen wie in der Schweiz?

Natürlich hängen die 2000 Quadratmeter mit der Diät zusammen. Und Fleischesser brauchen auf Grund des Getreideanbaus für Tierfutter oder Weideflächen fürs Vieh automatisch viel mehr Platz. Damit möchte ich jetzt aber nicht sagen, dass wir alle Veganer oder Vegetarier werden sollen.

Sondern?

Wir können einfach weniger Fleisch essen. Unsere aktuelle Ernährung ist ohnehin zu proteinhaltig.

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