Studie: Steuersümpfe verstärken Umweltzerstörung – Kontrast.at

Studie: Steuersümpfe verstärken Umweltzerstörung – Kontrast.at

19-09-18 10:16:00,

Konzerne verschieben jährlich Milliarden-Gewinne in Niedrigsteuer-Länder – das haben die Panama- und Paradise-Papers gezeigt. Ein Forscherteam hat jetzt erstmals untersucht, welchen Zusammenhang es zwischen Niedrigsteuerländern und Umweltzerstörung gibt. Das Ergebnis: Steuersümpfe sind im illegalen Fischfang und in der Regenwald-Abholzung im Amazonas involviert.

Den Staatshaushalten entgehen jährlich Milliarden Einnahmen, wenn sich Konzerne vor ihrer Steuerpflicht drücken und ihre Gewinne in Steuersümpfe auslagern. Allein aus Österreich haben Unternehmen 2015 rund 3,6 Mrd. Euro Gewinne unversteuert ins Ausland transferiert. Österreich verliert durch diese Praktik jährlich eine Milliarde Euro an Steuereinnahmen. Weltweit gesehen verschieben transnationale Konzerne rund 40 Prozent ihrer Gewinne in Niedrigsteuerländer und Steueroasen. Den EU-Ländern entgehen in Summe 20 Prozent der Steuern, die ihnen zustehen würden. Dieses Geld fehlt in der Gesundheit, der Bildung und der Infrastruktur. Kurzum: Konzerne drücken sich vor der Pflicht, ihren Beitrag für die Allgemeinheit und zum Erhalt des Wohlfahrtsstaats zu leisten. Steuersümpfe, die diese Tricks ermöglichen, schaden den Menschen in allen anderen Ländern.

Doch damit nicht genug: Eine Studie des Resilience Centers in Stockholm hat ergeben, dass Steuersümpfe auch mit der Umweltzerstörung verbunden sind. Zum ersten Mal überhaupt haben WissenschaftlerInnen analysiert, welche Folgen Finanzgeheimnisse und Geldflüsse auf die Umwelt haben. Untersucht haben sie die Abholzung des Regenwalds in Brasilien und den weltweiten Fischfang. Das Ergebnis: Über Niedrigsteuer-Länder wird umwelt- und klimaschädliches Handeln kaschiert.

Illegaler Fischfang unter Flagge von Steuersümpfen

Mehr als 30 Prozent der großen kommerziellen Fischgründe gelten derzeit als überfischt. Schätzungen zufolge werden weltweit zwischen 11 und 26 Millionen Tonnen Fisch auf illegale Weise gefangen. Diese Praxis wird von den Vereinten Nationen als „eine der größten Bedrohungen für Fischbestände und Meeres-Ökosysteme“ identifiziert. Überfischung bedroht die biologische Vielfalt und gefährdet die Ernährungs- und Einkommensgrundlage von Fischern in vielen Ländern.

Die Studie des Resilience Centers zeigt jetzt, dass Steuersümpfe eine Rolle bei illigaler Fischerei spielen: In Steuersumpf-Ländern werden Schiffe, die internationale Gesetze brechen, nicht gemeldet – illegale Praktiken im Fischfang bleiben ohne Sanktionen. Außerdem helfen ihre steuerlichen Schlupflöcher dabei, Einnahmen aus dem illegalen Fischverkauf nicht anzugeben oder über Tochterfirmen zu verschleiern. Viele Reeder melden ihre Schiffe daher in diesen Ländern an.

Der Wettbewerbsvorteil für Reeder bedeutet eine Gefahr für den Fischbestand

Insgesamt segeln etwa 70 Prozent jener Schiffe, die an unregulierter bis illegaler Fischerei beteiligt sind,

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