Auf Crashkurs

20-09-18 01:11:00,

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Die USA eskalieren ihren Handelskrieg gegen China. Es droht ein neuer Krisenschub samt autoritärer Wende

Nach Ansicht des reichsten Oligarchen der “Volksrepublik” China, des Internetmilliardärs Jack Ma, steht die Weltwirtschaft am Beginn eines 20-jährigen Handelskriegs. Mit dieser Warnung reagierte der Gründer der Internetplattform Alibaba auf die Eskalation des Handelsstreits zwischen China und den USA durch die rechtspopulistische Trump-Administration.

Somit scheint – sollte sich die Einschätzung Jack Mas bestätigen – das kapitalistische Weltsystem am Beginn einer neuen historischen Krisenperiode zu stehen, in der zunehmende Handelskonflikte und Protektionismus den Freihandel des neoliberalen Zeitalters ablösten. Die strukturelle Überproduktionskrise, in der sich das Weltsystem befindet, würde somit nicht mehr durch Kreditaufnahme und Verschuldung überbrückt, sondern durch Handelskriege direkt ausgetragen – mit allen verehrenden sozioökonomischen wie politischen Folgen.

Der jüngste Eskalationsschritt des Rechtspopulisten im Weißen Haus besteht aus einem Strafzoll von 10 Prozent auf chinesische US-Importe im Wert von 200 Milliarden US-Dollar. Peking reagierte, wie üblich, mit relativer Zurückhaltung, indem als Vergeltung 10-prozentige Zölle auf US-Waren im Wert von 60 Milliarden verhängt wurden. Nach Einschätzung des Guardian bereitet sich die Trump-Administration tatsächlich auf einen langen Handelskrieg vor, worauf ausgerechnet der relativ niedrige Strafzoll von 10 Prozent hinweise. Hierdurch würde noch Manövrierraum für weitere Erhöhungen bleiben. Im kommenden Jahr sollen die US-Zölle gar auf 25 Prozent ansteigen, sollte China nicht nachgeben.

Beide Seiten würden sich auf eine lange Auseinandersetzung einstellen, so der Guardian, da China noch genügen Optionen habe, um die konjunkturellen Effekte sinkender US-Exporte zu kompensieren. Die Volksrepublik, die aufgrund langjähriger Handelsüberschüsse über große Devisenreserven verfügt, könnte die Binnennachfrage weiterhin stimulieren, oder mit gezielten Währungsabwertungen die Effekte der US-Zölle untergraben. Zudem scheint man in der Werkstatt der Welt gewillt, neue Exportrouten entlang der von Peking forcierten Seidenstraße zu erschließen, um die Verluste im US-Geschäft durch größere Ausfuhren nach Afrika, Südost-Asien und Europa zu kompensieren.

Washington auf Eskalationskurs

Das Kalkül in Washington, das den Eintritt in den Handelskrieg motivierte, ist hingegen relativ simpel: China werde im Verlauf der handelspolitischen Auseinandersetzungen weitaus stärker geschädigt als die USA.

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