Die Saatgut-Konzerne diktieren unsern Speisezettel

20-09-18 08:31:00,

Kurt Marti / 20. Sep 2018 –

Die Schweiz ist beim Saatgut grösstenteils von den internationalen Konzernen abhängig. Trotzdem reagiert der Bund nur zaghaft.

ktm. Am nächsten Wochenende kommt die Initiative für Ernährungssouveränität zur Abstimmung. Ernährungssouveränität heisst auch Saatgut-Souveränität. Doch davon ist die Schweiz weit entfernt, weil der Bund die Zügel jahrzehntelang schleifen liess. Die Folge: Die Saatgut-Konzerne diktieren unsern Speisezettel. Aus aktuellem Anlass stellen wir den folgenden Artikel, der erstmals am 12. Jan 2017 auf Infosperber erschienen ist, noch einmal online.

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«Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern fünf nach zwölf. Die Landwirte müssen den internationalen Saatgut-Multis wie Monsanto die Macht über das Saatgut entreissen und wieder unabhängig werden», fordert der Zürcher Bio-Pionier Martin Ott, Präsident des «Forschungsinstituts für biologischen Landbau» (FiBL). Das gehe «nicht ohne den gemeinsamen Effort aller Beteiligten der Saatgut-Kette, von der Züchtung über den Handel bis zu den Bauern und den Konsumenten.» Jetzt müsse «ein Ruck» durch die Landwirtschaft gehen.

Frappante Auslandabhängigkeit

Tatsächlich ist die Schweiz beim Saatgut je nach Sorte stark vom Import abhängig. Das zeigen die Zahlen, die das Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) auf Anfrage bekannt gibt: Für Saatgut von Gemüse, Raps und Zuckerrüben liegt der Importanteil bei nahezu 100 Prozent, für Futterpflanzen bei 90 Prozent, für Mais bei 71 Prozent und für Soja bei 37 Prozent. Einzig beim Getreide-Saatgut ist der Importanteil kleiner als 10 Prozent. Ähnlich sieht es beim Bio-Saatgut aus: Rund 90 Prozent des Biogemüsesaatguts wird laut Auskunft des FiBL importiert. Hingegen stammt – wie beim konventionellen Saatgut – fast das gesamte biologische Getreide-Saatgut aus heimischer Produktion und Züchtung.

Biosaatgut reicht nicht aus

Dazu kommt, dass das Biosaatgut nicht ausreicht, um den Biobedarf der Schweiz abzudecken. So stammt laut FiBL «im biologischen Anbau von Gemüse und Kartoffeln rund die Hälfte aus konventioneller Vermehrung und bei den Futterpflanzen ist der konventionelle Anteil je nach Mischungsart momentan noch bei 30 bis 60 Prozent». Nur bei Weizen und anderen Getreiden ist der Grossteil des eingesetzten Saatguts aus Schweizer Biovermehrung. Falls nicht genügend Bio-Saatgut vorhanden ist, erteilt das FiBL «nach eingehender Prüfung auf Grundlage der Angaben in der Saatgut-Datenbank organicxseeds.com eine zeitlich begrenzte Ausnahmebewilligung» zum Einsatz von konventionellem Saatgut, das jedoch «nicht chemisch behandelt» sein darf.

Um für alle Biobauern die gleichen Bedingungen zu schaffen,

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