Wer sind die AfD-Wähler? Meinungsmache mit einer fragwürdigen DIW-Studie – www.NachDenkSeiten.de

20-09-18 01:16:00,

20. September 2018 um 11:55 Uhr | Verantwortlich:

Wer sind die AfD-Wähler? Meinungsmache mit einer fragwürdigen DIW-Studie

Veröffentlicht in: AfD, Demoskopie/Umfragen, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Hochschulen und Wissenschaft, Strategien der Meinungsmache

Die Sammlungsbewegung „Aufstehen“ hat sich zum Ziel gesetzt, auch Menschen für progressive Politik zu begeistern, die sich zur Zeit wirtschaftlich und kulturell abgehängt fühlen und nun aus Protest die AfD wählen. Ginge es nach einer jüngst vom DIW veröffentlichten Studie, wäre dieses Vorhaben zum Scheitern verurteilt. Schon der Titel der Studie verrät deren Kernaussage: „AfD-Unterstützer sind nicht abgehängt, sondern ausländerfeindlich“. Die Botschaft ist klar. Wenn sozioökonomische Gründe für die Wahlentscheidung pro AfD keine Rolle spielen, wird auch eine Politik, die primär die sozioökonomischen Sorgen und Nöte der Menschen ernst nimmt, keinen Erfolg dabei haben, AfD-Wähler zu bekehren. Kein Wunder, dass diese Studie vor allem von den parteipolitischen Gegnern von Sahra Wagenknecht innerhalb der Linkspartei unkritisch gefeiert wird. Dabei sind Zweifel an der Studie mehr als angebracht. Mehr noch – mit derartigen Studien verspielt das DIW seinen Ruf. Von Jens Berger.

Essen Sie häufig Fleisch? Wenn Sie diese Frage mit Ja beantworten, sind Sie ernsthaft gefährdet, bei den nächsten Wahlen Ihr Kreuz bei der AfD zu machen. Was wie ein Scherz klingt, beschreibt die Arbeitsweise der Studie „AfD-Unterstützer sind nicht abgehängt, sondern ausländerfeindlich“. Der verantwortliche Autor Martin Schröder hat sich nämlich die Mühe gemacht, innerhalb der Daten des seriösen „Sozio-oekonomischen Panel“ SOEP, das vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung DIW herausgegeben wird, Querverbindungen zwischen einer Neigung, die AfD zu wählen, und anderen Daten, Vorlieben oder Ängsten zu suchen, die im Rahmen des SOEP von den Befragten erhoben wurden. Und die Häufigkeit des Fleischkonsums korreliert offenbar sehr stark mit der Neigung zur AfD – gleich hinter den „Sorgen über die Zuwanderung“ und den „Sorgen über die Kriminalitätsentwicklung“. Dies sind freilich rein quantitative und keine qualitativen Aussagen.

Bevor man in die qualitative Analyse der Daten geht, sollte man jedoch zunächst einmal die Qualität der Daten kritisch betrachten. Denn bereits an dieser Stelle könnte man eigentlich bereits aufhören, diese „Studie“ ernsthaft zu diskutieren. Schröder hat nämlich die – an sich zuverlässigen – Daten des SOEP 2016 verwendet.

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