„Die neuen Todesfälle durch Borna-Viren bringen das Robert Koch-Institut in Erklärungsnot“ – www.NachDenkSeiten.de

24-09-18 07:52:00,

24. September 2018 um 9:29 Uhr | Verantwortlich:

„Die neuen Todesfälle durch Borna-Viren bringen das Robert Koch-Institut in Erklärungsnot“

Veröffentlicht in: Gesundheitspolitik, Interviews

Liv Bode

2007 erhielt die Virusforscherin Liv Bode den Whistleblower-Preis, weil sie bei ihrer Forschung zum Borna-Virus „Alarm geschlagen“ hat. Zusammen mit ihrer Forschungsgruppe war sie auf infektiöse Virusbestandteile in einer Probe gespendeten Blutplasmas gestoßen. Es folgte eine Auseinandersetzung mit dem Robert Koch-Institut (RKI), bei dem sie angestellt war. Ihre Arbeitsgruppe wurde aufgelöst und sie erhielt ein Publikationsverbot, das später zurückgenommen wurde. Aktuelle Todesfälle im Zusammenhang mit dem Borna-Virus scheinen die Forschung von Bode zu bestätigen. Im Interview mit den NachDenkSeiten erklärt Bode, was es mit dem Virus auf sich hat und was damals und heute geschehen ist. Ein Interview von Marcus Klöckner.

Frau Bode, wovor Sie bereits seit vielen Jahren gewarnt haben, scheint sich nun zu bestätigen: Das Borna-Virus ist auf Menschen übertragbar und macht krank. Können Sie uns kurz schildern, was sich jüngst ereignet hat?

Ende März 2018 wurde bekannt, dass Infektionen mit Borna-Virus bei fünf Menschen zu schweren Gehirnerkrankungen geführt haben, die in vier Fällen tödlich verlaufen sind. Drei Patienten hatten Organe ein und desselben, unerkannt mit Borna-Virus infizierten Organspenders erhalten. Zwei Empfänger einer verseuchten Niere verstarben 100 Tage später, der dritte Empfänger einer verseuchten Leber hat überlebt, verlor aber sein Sehvermögen durch eine virusbedingte Schädigung des Sehnervs. Zwei weitere Todesfälle durch Borna-Virus haben dem Vernehmen nach keinen Bezug zu den Transplantationsfällen.

Wie schätzen Sie die Bedeutung der neuen Todesfälle durch Borna-Viren und deren Bewertung im Kontext der früheren Forschung ein?

Für die Transplantationszentren und die Öffentlichkeit bleibt die Bedeutung und Brisanz der bedauernswerten Todesfälle durch die bisherige Berichterstattung weitgehend verborgen. Das liegt wesentlich an der einseitigen und irreführenden Interpretation des Friedrich-Löffler-Instituts (FLI), des Robert-Koch-Instituts (RKI) und der Gesellschaft für Virologie (GfV). Deren Interpretationen helfen dabei, ihre früheren Fehleinschätzungen zu verschleiern. Eine wissenschaftliche Publikation zu den Todesfällen gibt es bis dato nicht.

Die wenigsten Leser dürften ausgebildete Virusforscher sein. Können Sie uns bitte möglichst anschaulich erklären, worum es geht?

Unstrittig ist, dass das verursachende Virus der menschlichen Gehirnerkrankungen das sogenannte klassische Borna-Virus war, Borna Disease Virus (BDV-1).

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